Forschungsquartett | Wissenschaft über Türsteher

"Ärger vom Club fernhalten"

08.08.2017

Um Geld für sein Studium zu verdienen, hat Jorge Mario Bergoglio, heute bekannt als Papst Franziskus, als Türsteher in einer Bar gearbeitet. Was für ein Knochenjob das ist, weiß die Soziologin Christine Preiser. Ihr Forschungsgebiet ist die Club-Tür.

Auf die Intuition kommt es an

Groß gewachsen, breite Schultern, muskulöse Arme – so sollte ein Türsteher aussehen. Zumindest entspricht das dem Klischee. Doch Türsteher kann jeder werden. Unter ihnen findet man deshalb sowohl den Ex-Häftling als auch den Doktoranden und den Familienvater. Das beweist zum Beispiel ein Blick in den Lebenslauf von Sven Marquardt. Der wohl berühmteste Türsteher bewacht bei Nacht die Eingangstür des Berliner Clubs Berghain, am Tag arbeitet er als Fotograf und Künstler.

Die Rekrutierung von Mitarbeitern läuft meist über Freundes- und Bekanntenkreise. Nur wenige Stellen werden offiziell ausgeschrieben. Zudem stellen Clubs selten Security-Firmen an, sondern greifen eher auf hauseigene Türsteher zurück.

Hirn statt Muskeln

Zur Grundausstattung in diesem Beruf gehört nicht nur die körperliche Fitness: Man muss auch eine gehörige Portion Intuition mitbringen. Ein Türsteher muss spüren können, wer später Probleme im Club macht und wer nicht. Außerdem müssen Türsteher stets deeskalierend wirken, damit kleine Unstimmigkeiten mit einzelnen Gästen nicht den Betrieb stören.

Forschungsobjekt Türsteher

Anhand welcher Kriterien sie die Gäste beurteilen, hat Christine Preiser untersucht. Die Soziologin stand 60 Nächte in zwei verschiedenen Städten vor Clubs und hat sich angesehen, wie Türsteher arbeiten. Die Musikrichtungen reichten von Elektro über Punkrock/Metal bis hin zu HipHop-Dancehall. Entsprechend vielfältig waren auch die Club-Besucher, mit denen sich die Türsteher konfrontiert sahen. Bei ihren Beobachtungen hat Preiser fleißig Protokoll geschrieben – natürlich ohne dabei aufzufallen. Bei ihren Recherchearbeiten trug sie schwarze Funktionskleidung, weswegen sie oft selbst für eine Türsteherin gehalten wurde.

Besuchern fallen Türsteher meist nur in den turbulenten Phasen ihres Jobs auf – bei Außeinandersetzungen in oder vor einem Club etwa. Die Soziologin hat auch die ruhigen Momente genutzt, um mehr sie und ihre Geschichten zu erfahren. Dabei wurde sie häufig auch überrascht.

Über ihre Ergebnisse hat die Soziologin Christine Preiser mit detektor.fm-Moderatorin Marie Landes gesprochen. Die Dokotorarbeit hat Christine Preiser am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg geschrieben.

christinepreiserEgal wie Türsteher nach außen hin auftreten, wenn man hingeht und ein Problem hat, dann wird man tatsächlich Ernst genommen. Christine Preiserist fasziniert vom Nachtleben.