Forschungsquartett | Wissensstrukturen im Gehirn

Mentale Landkarten

04.04.2019

Wo bleibt eigentlich das Wissen, das wir uns jeden Tag über die Welt aneignen? Eine neue Studie zeigt: Wir strukturieren unser Wissen wie auf einer Landkarte in einem abstrakten, mentalen Raum.

Gehirn als Navigationssystem

Unser Wissen ist in einem mentalen und mehrdimensionalen Raum strukturiert. Das Gehirn ist dabei eine Art Navigationssystem, das uns hilft, auf bestimmtes Wissen zuzugreifen. Das ist die These der Leipziger Forscherinnen und Forscher vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.

In ihrer Studie lernen Probandinnen und Probanden über zwei Tage ein neues Konzept. Dabei sollen abstrakte Symbole anhand bestimmter Kombinationen von Merkmalen in Kategorien eingeordnet werden. Nach diesem Prozess wird das Gelernte angewendet, während das MRT die Aktivität des Gehirns misst.

Wenn man es ein bisschen übertragen beschreibt: Wir können nachvollziehen, wie Probanden durch diesen konzeptionellen Raum navigieren mit dieser einen Hirnregion, weil wir dort die Fluktuation, die Abweichung der Aktivitäten messen. – Christian Doeller, Direktor der Abteilung Psychologie

Der mentale Raum

Der MRT-Scan zeigt, je näher sich Wissensobjekte auf unserer mentalen Landkarte sind, desto ähnlicher ist auch die Gehirnaktivität. Misst man diese Unterschiede, lässt sich quasi indirekt der gedankliche Raum vermessen.

Den Wissensraum kann man sich auch wie ein Koordinatensystem mit vielen Dimensionen vorstellen, in dem wir unser Wissen positionieren. Diese Struktur des Wissens hat Vorteile. Zum einen ist sie flexibel, weil wir in unserem Wissensraum Verbindungen schaffen können. Zum anderen ist sie aber auch sehr effizient, weil die Position des Wissensobjekts im Raum viel über seine einzelnen Eigenschaften aussagt.

Mit den Erkenntnissen könnte man in Zukunft zentrale Fragen der menschlichen Intelligenz klären.

Es ist natürlich auch hilfreich zu wissen, wie Wissen erworben und im Gehirn organisiert ist, um es vielleicht zu nutzen, um Unterrichtsmethoden für möglichst effizientes Lernen zu optimieren. Das ist natürlich weit gegriffen, aber das wäre so die Aussicht. – Stephanie Theves, Postdoc in der Abteilung Psychologie

Wie kann man sich diesen gedanklichen Raum vorstellen? Und wie kann man ihn für die Wissenschaft sichtbar machen? Darüber unterhält sich detektor.fm-Moderator Christian Erll mit Lara-Lena Gödde. Sie hat Prof. Dr. Christian Doeller und PD Stephanie Theves in Leipzig getroffen.