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Foto: Heike Sicconi

Gartenradio | Sanddorn

Sanddorn – Von der Bückware zum Superfood

Als „Zitrone des Ostens“ beinahe vergessen, avanciert der Sanddorn durch das Engagement einiger Enthusiasten zum regionalen Superfood.

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Neben dem niederländischen Königshaus gibt es hierzulande wohl nur wenige Familien, die sich so in den Dienst der Farbe „Orange“ gestellt haben, wie Familie Berger aus Petzow. Doch statt König oder Königin wird dort dem Sanddorn in Oranje gehuldigt.

Der Sanddorn gilt als „Pionierpflanze“

Angefangen hat die Sanddornbegeisterung der Familie Berger Mitte der achtziger Jahre. Schon vor der Wende hatte Andreas Berger in der GPG Glindow, also in der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft, an der Erforschung von Anbau und Ernte von Sanddorn gearbeitet. Nach der Wende pachtete er die 20 ha große Sanddornplantage der Genossenschaft. Seine Frau, Christine Berger, begann Säfte zu entwickeln, packte sie in ihren Rucksack und putzte Klinken, um den Sanddorn an den Mann, bzw. die Frau zu bringen. Doch hüben wie drüben stand der Sanddorn nicht hoch im Kurs.

Orange, Hip und Bio

Doch die Bergers sind dem Sanddorn treu geblieben. Mittlerweile bauen sie das Wildobst biologisch dynamisch auf 150 ha an. Rund siebzig verschiedene Produkte bieten sie an. Von Sanddorn-Säften über Likör und Müsli bis hin zu veganen Sanddorngummibärchen, alles entwickelt und vermarktet heute Tochter Dorothee Berger. Sogar Kosmetik wird aus dem Sanddornkernöl hergestellt.

In der ehemaligen BRD war der Sanddornextrakt nur als Reformhausprodukt bekannt.

Dorothee Berger – Sanddornproduzentin

Dorothee Berger - Sanddornproduzentin

Sand und Sonne

Sanddorn liebt sandige Böden und Sonne. Kein Wunder, dass er sich vor allem an Nord- und Ostsee wohlfühlt. Erst seit den siebziger Jahren sind Sorten im Handel, die den Anbau lohnen. Laut Jörg-Thomas Mörsel, Präsident der Gesellschaft zur Förderung von Sanddorn und Wildobst sind in den letzten Jahren eine ganze Reihe neuer, wirtschaftlich aufgestellter Sanddorn Erzeugerbetriebe angetreten. Die Anlagen werden fast ausschließlich unter den Regeln einer biologischen Produktion durchgeführt. Es sind überwiegend Plantagen mittelgroßen Maßstabs. Daneben gibt es einige kleine Betriebe, die Wild-Sanddorn sammeln. Die Anbaugebiete liegen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

Petzow – ein Paradies für Sanddorn und Touristen

Die Gegend rund um Petzow ist nicht nur ideal für den Sanddornanbau, sondern auch für einen Ausflug. Gleich neben dem Sanddorngarten der Bergers ist ein Kleinod der Landschaftsarchitektur zu bewundern. 1838 hat der preußische Gartenkünstler Peter Joseph Lenné einen kleinen, aber feinen Park rund um das Schloss Petzow gestaltet. Und daneben mitten im Havelland kann man bergauf und bergab durch die Glindower Alpen stiefeln – eine „handgemachte“ Hügellandschaft, entstanden aus Abraumhalden der Tongewinnung, die es dort schon seit dem Mittelalter gab. Die Einwirkung des Menschen sieht man dem heutigen Naturschutzgebiet nicht mehr an.

Warum der Sanddorn in der DDR Bückware war, woher sein schlechter Ruf kam, was ihn so gesund macht und wie man anbaut und erntet, ohne sich von den Dornen stechen zu lassen – erzählt Dorothee Berger in dieser Folge.

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