Gluten-Verzicht: Studie zeigt keine Vorteile

Doch kein Teufelszeug?

08.05.2017

Viele Menschen verzichten freiwillig auf glutenhaltige Produkte. Für Hersteller ist das ein Geschäft in Milliardenhöhe. Doch eine neue Untersuchung warnt sogar vor dem Verzicht auf Gluten. Demnach ist der Verzicht für Gesunde nicht empfehlenswert.

Schlechter Ruf

Gluten hat einen schlechten Ruf. Im Netz finden sich viele vermeintliche Nachteile, die der Verzehr mit sich bringt. Bücher wie „Weizenwampe“ oder „Wie der Weizen uns vergiftet“ lassen den Brötchen-Liebhaber glauben, sich mit jedem Bissen einer Gesundheitsgefahr auszusetzen. Gewarnt wird vor Krankheiten wie Diabetes oder Alzheimer. Deshalb greifen immer mehr Menschen zu glutenfreien Produkten. Der Verzicht ist schon längst ein Trend.

Wir haben bestimmte Betroffene, die Beschwerden haben, hier auf den Trend aufspringen und sagen, sie lassen Gluten weg. Aber das Problem ist, wir wissen nicht, was im Körper passiert. – Sonja Lämmel, Ökotrophologin

Die Lebensmittelindustrie reagiert darauf mit einer Vielzahl an neuen Produkten, ein Milliardengeschäft. In den USA werden zum Beispiel pro Jahr 200.000 glutenfreie Gerichte bestellt, jeder zehnte US-Haushalt lebt ohne das Kleber-Eiweiß.

Keine Vorteile durch Verzicht

Das British Medical Journal hat dazu eine Langzeitstudie veröffentlicht. Demnach ist es mehr Fluch als Segen, auf Gluten zu verzichten. In einem Zeitraum von 26 Jahren wurden in den USA 110.00 Männer und Frauen beobachtet. Die Gruppe, die am wenigsten Gluten zu sich genommen hat, zeigte den größten Anteil an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das heißt: Menschen, die Gluten ganz vom Teller verbannen, sind anfälliger für derartige Erkrankungen.

Wer verzichtet, isst automatisch weniger Vollkornprodukte. Die darin enthaltenen Ballaststoffe und Vitamine schützen uns aber unter anderem auch vor Herzkrankheiten. Wer das Kleber-Eiweiß also ohne medizinischen Grund von seinem Teller verbannt, tut damit seiner Gesundheit keinen Gefallen.

Glutenverzicht nur bei Intoleranzen

Natürlich gibt es aber auch Menschen, die auf Gluten verzichten wollen. In Deutschland sind angeblich zwischen zwei bis drei Prozent von Zöliakie betroffen, wie Glutenunverträglichkeit auch genannt wird. Bei den Betroffenen soll der Verzehr unangenehme Beschwerden auslösen. Die Anzahl an Betroffenen ist aber vergleichsweise eher gering.

Wir vom Deutschen Allergie-und Asthmabund e.V.  können bis dato nicht bestätigen, dass wir eine Gluten-Unverträglichkeit als eigenständiges Krankheitsbild sehen. – Sonja Lämmel, Ökotrophologin

In welchem Licht der Trend von glutenfreier Ernährung zu betrachten ist und warum Gluten nicht generell verteufelt werden sollte, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Sonja Lämmel gesprochen. Sie ist Ökotrophologin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V.

ist Diplom-Oecotrophologin und Mitarbeiterin beim Deutschen Allergie-und Asthmabund e.V.Gesunde Menschen sollten weder auf Gluten verzichten noch auf Laktose oder irgendwelche anderen "frei von..."-Produkte verzehren. Sie sollten eher wieder zurück zum Natürlichen gehen, die Ernährung unter die Lupe nehmen. Sonja Lämmel ist Diplom-Ökotrophologin und Mitarbeiterin beim Deutschen Allergie-und Asthmabund e.V.  

Redaktion: Charlotte Glück