Green Radio | Alternative Materialien in der Mode

Taschen aus Kork und glitzernde Laptophüllen aus alten Socken

11.02.2016

Recyceln und kompostieren bringt man bisher nur selten mit Mode in Verbindung. Immer mehr kleine Modelabels wollen jedoch Mode umweltfreundlich produzieren und greifen dabei auf innovative Materialien zurück.

+++Green Radio: Umwelt und Nachhaltigkeit – eine Kooperation mit dem Umweltbundesamt.+++


Alternative Materialien für Taschen, Schuhe und Kleidung

Was steckt eigentlich in der Kleidung, die wir tragen, alles drin? Wer das genau wissen will, kauft am besten Kleidung aus Leinen oder Bio-Baumwolle. Zunehmend findet man aber auch alternative Materialien aus der Natur, die zu Mode werden können.

Taschen aus Bienenwachs und Kokosnussfaser

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

Zum Beispiel eine Businesstasche aus Kokosnussfaser. Das Taschenlabel rewrap verkauft ausschließlich recycelbare Taschen. Zunächst nur aus Filzwolle, dann kam die Kokosnussfaser dazu. Geerntet wird die Faser von Bäumen aus Sri Lanka. Weiterverarbeitet und gefertigt wird die Tasche in Amsterdam in einer Behindertenwerkstatt. Das Material wird mit Bienenwachs verstärkt, was ihr eine gummiartige Habtik verleiht. Der Tragegriff und der Verschluss sind aus Wallnussholz. Und wenn die Tasche nicht mehr gefällt?

Auf den Kompost schmeißen, oder in den Wald einfach rein schmeißen. – Martin Inhow, rewrap

Korkmode rettet den Korkwald

Ein weiteres Material, das auf Baumrinde basiert, ist Kork. Zunehmend entdeckt man Schuh-, Taschen- und Modelabels, die mit dem Material experimentieren und es langfristig in ihre Kollektionen aufnehmen. Für viele funktioniert es als Lederersatz.

Ich glaube, die meisten erwarten etwas sehr Trockenes, aber es ist gar nicht so trocken, sondern weich, sehr biegsam und warm. Manche Leute glauben gar nicht, dass es Kork ist, sie glauben, es ist Leder. – Pantxika Ospital, jentil

Modedesignerin Pantxika Ospital entdeckte das Material vor zwei Jahren in Portugal und war begeistert. Sie gründete das Modelabel jentil und spezialisierte sich auf Taschen aus Kork. Das zunehmende Interesse der Modebranche für Kork hilft dem korkreichen Waldbestand in Portugal bei der Erhaltung. Weil immer mehr Weinhersteller Kork durch Plastik- oder Schraubverschlüsse ersetzen, hat sich die Ernte für viele Korkbauern nicht mehr gelohnt. Das hatte zur Folge, das sie ihre Korkbäume nicht länger genutzt und gepflegt haben. Korkbäume stehen unter Naturschutz und dürfen weder gefällt noch verschnitten werden.

Was tun mit einer Socke?

Márcia de Carvalho aus Paris entwirft Mode aus Wolle, genauer gesagt: aus recycelter Wolle, gesponnen aus alten Socken. Sie möchte damit eine Frage klären, die fast jeden mal beschäftigt:

Niemand weiß, was man mit einer Socke machen soll. Andere Kleidung kann man weitergeben, aber mit einer Socke, was macht man damit? – Márcia De Carvalho

Aus der recycelten Wolle entstehen Handschuhe, Mützen, Pullover, Röcke und Hosen, die in zeitgemäßen Schnitten und Farben eine breite Zielgruppe haben. Dass die Wollfaser in ihrem ersten Leben eine Socke war, ist nicht mehr zu erkennen.

Recycelte Mode ist eine Seltenheit

Es gibt mittlerweile einige kleine Firmen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, Mode recycelbar zu machen. Von der recycelbaren Jeansfaser über recycelbare Membranen wie Tyvek bis hin zu recycelten PET-Flaschen, aus denen Funktionsjacken oder Rucksäcke werden. Für die großen Firmen scheint sich der Aufwand allerdings nicht zu lohnen – zumindest nicht wirtschaftlich.

Juliane Neubauer über Mode aus alternativen Naturmaterialien:

  • Laptoptasche aus Kork.
  • Die Businesstasche von rewrap besteht aus Kokosnussfaser und Binenwachs. Innen ist noch eine Baumwolltasche eingenäht.
  • Ist der Bestseller von jentil. Erst auf den zweiten Blickt erkennt man, dass es kein leder ist.
  • Rucksäcke von jentil.
  • Laptoptaschen von Márcia De Carvalho. Die Wolle steckte ursprünglich in alten Socken.