Green Radio | Fleißige Hummeln

Die tierischen Vibratoren

30.06.2016

Was lange der Mensch mit Pinseln und Motoren erledigen musste, machen Hummeln von Natur aus: Blüten von Obst- und Gemüsepflanzen bestäuben und damit für Früchte sorgen. Deshalb werden die flauschigen Tierchen massenhaft in der Landwirtschaft eingesetzt. Zum Beispiel im Gewächshaus.

+++Green Radio: Umwelt und Nachhaltigkeit – eine Kooperation mit dem Umweltbundesamt.+++


Dick im Geschäft

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

Seit Mitte der 1980er-Jahre ist die Erdhummel groß im Geschäft. Ein niederländischer Insektenkundler kam damals auf die Idee, Hummeln in Gewächshäusern anzusiedeln, damit diese Nutzpflanzen bestäuben. Zuvor mussten Pflanzen wie die Tomate in Gewächshäusern mit elektrischen Geräten vibrierend per Hand bestäubt werden. Ein großer Aufwand.

Den Job übernehmen nun Hummeln, die extra dafür gezüchtet werden. Überwiegend in den Niederlanden und Belgien. Rund 200.000 Kolonien sollen dafür jährlich produziert werden.

Hummeln im Glashaus

Gärtner kaufen also diese Kolonien, setzen sie im Glashaus aus und lassen dann die Hummeln ran. Nach diesem Prinzip arbeitet Dr. Klaus Henschel, Geschäftsführer von Fontana Gartenbau, im Küstriner Vorland in Brandenburg seit Anfang der 1990er-Jahre. Auf 8.500 Quadratmetern arbeiten dort vier Hummel-Völker gleichzeitig. Das sei eine große Ertragssteigerung, sagt Henschel.

Früher musste man mit Vibratoren die einzelnen Blüten bestäuben. Die Hummeln machen das einfach ihrer Natur nach. – Dr. Klaus Henschel, Geschäftsführer von Fontana Gartenbau

Julia Hübner Foto privatAus Tierschutzsicht ist es unproblematisch, wenn Hummeln in Gewächshäusern gehalten werden. Die Betreiber sollten jedoch auf einen großen Flugraum und die Möglichkeit zum Ausflug achten.Julia Hübnervon der Deutschen Umweltstiftung. 

Ohnehin seien die haarigen Brummer sehr fleißig, bestätigt Julia Hübner von der Deutschen Umweltstiftung. Die einzelnen Individuen lassen sich selbst von Wind und Regen nicht abschrecken.

Und dennoch haben sie in freier Wildbahn mit dem Überleben zu kämpfen, erklärt Prof. Paul Schmid-Hempel von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Im Gewächshaus ginge es ihnen vermutlich deutlich besser.

bombologeHummeln besuchen Blüten, die tiefere Kelche haben – anders als die Honigbiene. Prof. Paul Schmid-Hempelist Bombologe am Institut für Integrative Biologie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. 

Ein Beitrag von detektor.fm-Reporterin Insa van den Berg.


Green Radio gibt es jeden Donnerstag und auch als Podcast.