Green Radio | Ökologische Saatgut-Forschung

Ohne Saatgut, kein Essen

08.09.2016

Mit kleinen Körnern machen einige wenige Konzerne einen Umsatz von weltweit mehreren Milliarden Euro im Jahr. Monsanto ist eines jener Unternehmen, die am meisten mit der Saatgutforschung verdienen. Dabei greifen sie bei der Züchtung neuer Pflanzen immer öfter gentechnisch in deren Erbgut ein. Es gibt Alternativen.

+++Green Radio: Umwelt und Nachhaltigkeit – eine Kooperation mit dem Umweltbundesamt.+++


In Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt

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Über Jahrtausende haben Bauern die Samen guter Ernten gesammelt und im nächsten Jahr wieder ausgesät. Inzwischen übernehmen es Konzerne, ertragreiches Saatgut zu züchten und zu verkaufen. Unter anderem, indem sie Pflanzen gentechnisch verändern.

Mit sogenannten Hybriden verdienen Konzerne wie Monsanto besonders viel Geld. Es handelt sich dabei um Saatgut, das gute Erträge für den Landwirt liefert und für einheitliche Früchte sorgt. Der Nachteil dabei: Es lässt sich kein zweites Mal auf den Acker bringen. So muss der Bauer also in der nächsten Saison neues Saatgut kaufen.

Neben den Hybriden gibt es auch sogenannte samenfeste Sorten. Das sind Pflanzen, mit denen der Bauer selbst Saatgut gewinnen kann. Sie liefern zudem ohne künstlichen Dünger und ohne chemischen Pflanzenschutz gute Ernten. Es sind deshalb oftmals Bio-Züchter, die solche Sorten entwickeln. Diese Arbeit ist jedoch aufwendig und dauert bis zu zehn Jahre. Außerdem ist sie nicht billig: etwa 600.000 Euro pro Sorte.

Neues Saatgut durch ökologische Forschung

Die ökologische Saatgutforschung hat inzwischen dennoch einige neue Sorten beim Bundessortenamt angemeldet. Zum Beispiel:

  • Winterweizen Royal (Getreidezüchtung Peter Kunz, Verein für Kulturpflanzenentwicklung):
    bildet hochwertige Eiweiße, hoher Ertrag
  • Grannenweizen Kamperan (Keyserlingk-Institut, Salem):
    beste Backqualität, gute Standfestigkeit
  • Backweizen Aristaro (Forschung & Züchtung Dottenfelderhof):
    gute Unkrautunterdrückung, winterhart
  • Zuckermais Damaun (Kultursaat e.V.):
    früh abreifend, sehr süß

Getreidezüchter Dr. Hartmut Spieß sieht die größte Herausforderung für die Öko-Züchtung in den Veränderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen. Extreme wie Trockenheit, Nässe, Hitze oder Kälte treten vermehrt auf und dagegen müssen Pflanzen widerstandsfähig gemacht werden.

Die Arbeit von Züchtern wie Hartmut Spieß unterstützt der Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Der Fonds fördert seit 20 Jahren die ökologische Saatgutforschung ohne Gentechnik. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft engagiert sich für die ökologische Landwirtschaft und ist als gemeinnützige, unselbstständige Stiftung innerhalb der GLS Treuhand e.V. organisiert.

detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt hat mit Oliver Willing, dem Geschäftsführer der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, über deren Engagement in der ökologischen Saatgutforschung gesprochen.

oliver willing - privatDer Stinkbrand ist ein Pilz, der die Ernte massiv beeinträchtigen kann. In der konventionellen Landwirtschaft kann man dagegen chemisch vorgehen. Öko-Bauern können das nicht. Dafür braucht man Lösungen. Oliver Willing ist Geschäftsführer der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. 

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