Finger weg vom Fisch? Greenpeace warnt vor Überfischung

Das Gastmahl des Meeres geht zur Neige

20.01.2016

Greenpeace hat in einem Ratgeber verglichen, welche Fischarten - aus ökologischer Sicht - noch bedenkenlos gekauft werden können. Die Ergebnisse sind alarmierend. Sorgenfrei schmeckt nur der Karpfen.

Dass die Überfischung ein Problem ist und viele Fischarten vom Aussterben bedroht sind, ist nun wirklich nix Neues. Leider. Die Erkenntnisse des neuen Fischratgebers der Organisation Greenpeace zeigen hier allerdings eine neue Dimension.

Sind Fischstäbchen ab jetzt Tabu?

Lediglich der Verzehr von Karpfen wird hier ohne Einschränkungen mit „Grün“ gekennzeichnet. Ausschlaggebend für die Bewertung ist vor allem die Fangmethode und die Bestandssituation, also ob eine Überfischung vorliegt oder nicht.

Viele Fischsorten, wie der Alaska-Seelachs, der beispielsweise in den allseits beliebten Fischstäbchen enthalten ist, sind sogar „Rot“ eingestuft. Das liegt unter anderem daran, dass dieser mit Schleppnetzen gefangen wird. Dabei wird ein trichterförmiges Netz von einem oder mehreren Schiffen gezogen und hinterlässt dabei katastrophale Schäden am Meeresboden.

Thunfisch ist nicht gleich Thunfisch

Für viele Fischarten, die rot gekennzeichnet sind, gibt es allerdings Ausnahmen. Die Frage ist: woher soll man’s als Kunde wissen?

Da kann der Einkaufsratgeber von Greenpeace helfen, der als Printversion, im Internet und als App verfügbar ist.

Thunfisch ist nicht gleich Thunfisch. Es gibt acht Arten! Da lohnt sich ein genauerer Blick. Wenn man zum Beispiel in den Supermarkt geht und sich eine Dose Thunfisch aus dem Regal rausholt, dann kann man auf der Kennzeichnung sehen, was für eine Art ist das, wo der Thunfisch gefangen wurde, welche Fangmethoden dabei zum Einsatz kamen. Und dann kann man in den Einkaufsratgeber schauen und sehen, ob das tatsächlich in Ordnung ist. – Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace

Kennzeichnungen sind für den Verbraucher oft verwirrend und stiften Missverständnisse.

Auch eine kontrollierte Aufzucht („Aquakultur“) allein ist keine eine Lösung für die Überfischung. Der Lachs ist beispielsweise auf tierisches Protein angewiesen. Er muss in Haltung also mit Fischmehl gefüttert werden. Auf diese Weise muss man vier bis sechs Kilo Wildfisch einsetzen um ein Kilo Lachs zu erzeugen. Für Thilo Maack ist das also „bestenfalls Proteinveredelung“.

Der letzte essbare Fisch

Der Karpfen hingegen ist als einziger Fisch unbedenklich eingestuft. Das liegt vorallem daran, dass er sich pflanzlich ernährt und darum einfach und ökologisch in Aquakulturen gehalten werden kann.

Die Kernbotschaft unseres Einkaufsratgebers ist, dass wir als Verbraucher Fisch viel mehr als Delikatesse betrachten müssen. Und Delikatessen sind ja nur dann welche, wenn wir sie nicht jeden Tag zu uns nehmen. – Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace

Studien zufolge soll im Jahr 2048 keine Wildfischerei mehr möglich sein. Daraus würde resultieren, dass auch Fischzucht in Aquakulturen nicht mehr rentabel ist.

Wie viel Fisch der Deutsche im Vergleich isst und was man beim Kauf beachten sollte, beantwortet Thilo Maack von Greenpeace im Interview mit detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler.

Thilo Maack, Oceans campaigner Greenpeace Germany e.V..
Thilo Maack, Meeres-Kampaigner Greenpeace Deutschland e.V..Das ist keine Situation, die Greenpeace sich ausgedacht hat. Die Welternährungsorganisation FAO sagt, dass mehr als 90% der weltweiten Fischbestände überfischt sind oder kurz davor stehen.Thilo Maackhofft auf Rücksicht der Verbraucher beim Kauf von Fisch und Meeresfrüchten. Foto: Greenpeace 

 

Redaktion: Ines Gerber