Heilpraktiker | Alternative Therapie oder esotherischer Hokuspokus?

Zwischen Gut und Böse: Heilpraktiker ohne Grenzen

20.02.2015

Heilpraktiker spalten die Lager. Die einen schwören auf ihre Behandlungsmethoden, die anderen verteufeln sie. Sicher ist: Der Beruf ist in Deutschland nicht geschützt. Jeder kann mit relativ wenig Aufwand Heilpraktiker werden. Wie gefährlich ist das?

Aderlass, Rödern, Moxibustion und Bachblüten – die Therapien von Heilpraktikern haben nicht nur merkwürdig klingende Namen. Einige der alternativen Heilmethoden stammen auch aus dem Mittelalter. Trotzdem sind sie bei vielen Patienten beliebt. Und das, obwohl die Wirksamkeit heilpraktischer Behandlungen umstritten ist.

Gesetze fehlen

Nicht nur Heilpraktiker, auch Allgemeinmediziner greifen häufig auf homöopathische Mittel  zurück. Das Problem: Während Ärzte in Deutschland streng kontrolliert werden, existieren für Heilpraktiker kaum gesetzlichen Schranken. Der Berufszweig ist nicht einmal staatlich anerkannt. Einzig die Berufsordnung des Bunds Deutscher Heilpraktiker gibt Richtlinien vor. Verpflichtet, sich daran auch zu halten, sind Heilpraktiker jedoch nicht.

Doch nicht nur die Ausübung des Berufs, auch der Einstieg ist kaum geregelt. Prinzipiell kann in Deutschland jeder die Prüfung zum Heilpraktiker ablegen. Eine medizinische Vorausbildung ist nicht nötig. Die Zulassungsbedingungen zur Prüfung sind niedrig. So müssen laut Prüfungsordnung zukünftige Heilpraktiker lediglich mindestens 25 Jahre alt sein und die Hauptschule abgeschlossen haben. Zusätzlich geben Bewerber ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis ab.

Alles ist erlaubt

Die zu erfüllenden Auflagen für Heilpraktiker sind vor allem in Deutschland gering. Und das, obwohl sie weitreichende Befugnisse haben. Während in Österreich der Beruf verboten ist, dürfen Heilpraktiker bei uns Injektionen setzen, mit Gasen wie Ozon hantieren und Knochenbrüche behandeln. Die Risiken, dem Patienten mehr zu schaden als zu helfen, sind hoch.

Über die Behandlungsmethoden von Heilpraktikern hat Moderatorin Maj Schweigler mit Gerd Antes gesprochen. Er ist Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums in Freiburg, das medizinische Therapien untersucht und bewertet.

Antes_GerdEs ist völlig unhaltbar, dass in Heilberufen "behandelt" werden kann, ohne dass es dort einen formalisierten Zugangsprozess gibt. Es muss kontrolliert werden. Es muss Kritieren und auch Überprüfungen geben, um sicherzustellen, dass Patienten nicht gefährdet werden.Dr. Gerd Antesist Direktor des Deutschen Cochrane Zentrum in Freiburg. 
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