Impfen: Mit Impfquoten gegen Kinderkrankheiten?

Das piekst jetzt mal kurz

16.08.2016

Eigentlich ist die Kinderlähmung in Nigeria schon ausgerottet gewesen, doch jetzt gibt es zwei neue Fälle. Wenn sich weniger Menschen impfen lassen, sinkt die Impfquote – und damit steigt das Risiko, dass alte Kinderkrankheiten zurückkehren. Das könnte auch hierzulande zum Problem werden: denn es gibt immer mehr Impfgegner.

Wer in Europa groß geworden ist, hat wahrscheinlich einen gut gefüllten Impfpass. Denn hier gehört das Impfen normalerweise zur ärztlichen Vorsorge für Kinder. Weil es so weit verbreitet ist, brechen manche Krankheiten gar nicht mehr aus – die Viren sind wortwörtlich ausgehungert worden.

Auch Polio kommt in Deutschland nicht mehr vor. Noch im neunzehnten Jahrhundert hat es ganze Epidemien der auch als Kinderlähmung bekannten Krankheit gegeben. Den letzten Fall gab es in Deutschland Anfang der neunziger Jahre.

Breit angelegte Impfungen führen zu einer sogenannten Herdenimmunität. Wenn genügend Menschen geimpft sind, kann sich das Virus nicht mehr ausbreiten, und es bleibt bei Einzelfällen. So werden auch nicht Geimpfte von den Geimpften vor einer Epidemie mit geschützt.

„Impfgegner gibt es schon, seit es Impfungen gibt“

In Deutschland liegt die Impfquote gegen Polio bei etwa 95 Prozent. Dass sie nicht bei hundert liegt, hängt auch damit zusammen, dass sich nicht alle Menschen impfen lassen können. Menschen mit Immunschwächeerkrankungen wird davon abgeraten, ebenso Allergikern.

Aber es gibt auch Menschen, die sich bewusst gegen das Impfen entscheiden. Sie fürchten Nebenwirkungen, halten Impfungen für überflüssig oder sind grundsätzlich misstrauisch gegenüber wissenschaftlichen Untersuchungen. Sie sind schwer zu überzeugen und lassen oft auch ihre Kinder nicht impfen.

Wer negiert, dass es Viren gibt, der wird sich auch davon nicht überzeugen lassen, dass man durch Impfprogramme Viren wirkungsvoll begegnen kann. – Anette Siedler, Expertin am Robert-Koch-Institut

Ohne Impfungen könnten Krankheiten zurückkehren

Die sogenannten Impfgegner gefährden solche Impfquoten. Denn wenn diese sinken, können Krankheiten zurückkehren. Die Herdenimmunität reicht dann nicht mehr aus, um vor dem Virus zu schützen. So kommt es in Deutschland immer wieder zum Ausbruch der eigentlich ausgerotteten Masern. Und in den letzten Jahren hat es auch immer wieder einzelne Polio-Fälle gegeben, zuletzt in Nigeria, das vorher noch als polio-frei galt.

Auch in Syrien, Pakistan oder in der Ukraine sind wieder Polio-Fälle registriert worden. Dass die Krankheit nach Deutschland eingeschleppt wird, hält Anette Siedler zwar für möglich, eine Ausbreitung ist aber unwahrscheinlich. „Es ist hier für die Ausbreitung von Polio keine Grundlage gegeben“, sagt sie, betont aber zugleich: „Wir müssen natürlich darauf achten, dass diese hohen Impfquoten weiter aufrecht erhalten werden. Wir können uns da keineswegs entspannt zurücklehnen.“

detektor.fm-Moderatorin Sarah Steinert hat mit der Impf-Expertin Anette Siedler gesprochen.

Foto: PrivatEs ist ganz wichtig, gute Informationen auch über mögliche Nebenwirkungen zu bieten. Das muss natürlich kommuniziert werden, und dem gegenüber muss man den Nutzen der Impfungen stellen, der da ganz deutlich überwiegt.Anette Siedlersetzt mit dem Robert-Koch-Institut auf Aufklärung. Foto: Privat 

Redaktion: Amy Wittenberg