ISS: 100.000 Erdumrundungen und Alexander Gerst wird Kommandant

Im Weltall gibt es keine Politik

18.05.2016

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst wird 2018 Kommandant auf der Internationalen Raumstation ISS. Spielt seine Nationalität im Weltraum überhaupt eine Rolle? Der europäische ISS-Koordinator erklärt, wie die Politik auf der Erde die Arbeit im Weltraum beeinflusst.

ISS: Paradebeispiel für Internationale Kooperation

Als der Kalte Krieg und das damit verbundene Space Race zwischen den USA und Russland beendet gewesen ist, hat in der Raumfahrt die Zeit der internationalen Kooperation begonnen. 1994 stimmten Europa und die USA einer Beteiligung Russlands an einer gemeinsamen bemannten Raumstation zu nicht nur aus politischen Gründen.

Im Gegensatz zu den westlichen Staaten hatte Russland bereits eine eigene Raumstation die Mir. Von der Zusammenarbeit versprach man sich Erfahrungsaustausch und das Teilen von Kosten. Letztlich ist die Zusammenarbeit bei der ISS aber auch wichtig, um Vertrauen zwischen den ehemaligen Feinden herzustellen. Heute wird die Raumstation als Kooperationsprojekt von 15 Staaten betrieben.

@Astro_Alex

Für das Interesse der Deutschen an dieser Kooperation ist zuletzt hauptsächlich einer verantwortlich: Astronaut Alexander Gerst, der auf Twitter schlicht als @Astro_Alex bekannt ist. Er ist 2014 für ein halbes Jahr auf der ISS gewesen und hat die Erde durch Social-Media-Kanäle an seiner Erfahrung teilhaben lassen. Gerst ist so populär, dass ihm sogar die Sendung mit der Maus ins Weltall gefolgt ist.

Gerade erst ist angekündigt worden, dass Alexander Gerst 2018 ein weiteres Mal zur ISS fliegen wird dann als erster deutscher Kommandant der Raumstation.

Ungewisse Zukunft der ISS

Die langfristige Zukunft der ISS ist derweil unsicher. Betriebstauglich sei die Raumstation noch bis 2028, sichere Zusagen der Partner gibt es aber nur bis 2024. Was danach passiert, ist bisher offen. Zumindest Russland hat angekündigt, eine neue bemannte Raumstation bauen zu wollen, aber nicht unbedingt mit denselben Partnern.

Moskau möchte die Kooperation im Weltall für andere Staaten öffnen und zum Beispiel stärker mit China und Brasilien zusammenarbeiten. Das ist angesichts der aktuellen politischen Konflikte mit Europa und den USA wenig verwunderlich.

Leidet die Kooperation auf der ISS unter den politischen Konflikten mit Russland? Spielen politische Spannungen auf der Erde eine Rolle bei der Zusammenarbeit im Weltall? detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler hat mit dem ehemaligen Astronauten Thomas Reiter darüber gesprochen. Er koordiniert für die Europäische Weltraumorganisation die Arbeit auf der ISS.

Astronaut Thomas ReiterPolitik ist kein Tabu auf der ISS, aber allen ist bewusst, dass man im selben Boot sitzt. Man verfolgt gemeinsame Ziele in Wissenschaft und Forschung; da tritt die Politik auf der Erde in den Hintergrund.Thomas Reiterwar als Astronaut selbst auf der ISS und ist jetzt bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA zuständig für die Koordination rund um die ISS.Foto: ESA/J.Mai 
Politik im Weltraum - Astronaut Thomas Reiter über Zusammenarbeit auf der ISS