Intersexualität: Neues Gesetz soll bestehende Probleme lösen

31.10.2013

Wird es ein Junge oder ein Mädchen? In manchen Fällen ist das einfach nicht zu beantworten. Ein neues Gesetz soll jetzt helfen.

Morgen tritt das neue Personenstandgesetz in Kraft. Es soll Intersexuellen den Entscheidungsdruck nehmen. In dem neuen Absatz zu Artikel 22 heißt es ab sofort:

Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtsregister einzutragen – Personenstandgesetz, Artikel 22

Auf den ersten Blick scheint es eine „kleine Revolution“. So hat es auch Volker Beck, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen genannt. Aber für viele Betroffene löst es das Problem offenbar nicht. Vielmehr hoffen einige auf ein Verbot der Genitaloperationen, die häufig bei intersexuellen Kindern durchgeführt wird.

Wir haben mit der Ärztin Ursula Kuhnle-Krahl und mit Markus Bauer von der Initiative Zwischengeschlecht.org über das neue Gesetz gesprochen. Ein Beitrag von Simone Voit.


+++Der Beitrag zum Mitlesen+++

Wird es ein Junge oder ein Mädchen? In manchen Fällen kann diese Frage einfach nicht beantwortet werden. Eltern sind aber bisher dazu verpflichtet gewesen sich für ein Geschlecht zu entscheiden. Die Pflicht das Geschlecht in die Geburtsurkunde einzutragen, wird es wegen einer Gesetzesänderung am 1. November nicht mehr geben. In dem neuen Absatz zu Artikel 22 im Personenstandsgesetz heißt es ab nun: „Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtsregister einzutragen“. Betroffen sind davon sogenannte Intersexuelle Menschen. Die Ärztin Ursula Kuhnle-Krahl erklärt etwas genauer, was das bedeutet:

Die Ursachen solcher Fehlbildungen sind viel seitig. Das können Mädchen sein, die zu viel Testosteron produzieren. Es können Jungen sein, die zu wenig Testosteron produzieren, also die Ausbildung des äußeren genitale beim Jungen fehlerhaft ist. Oder das eben ein Mädchen wenn es zu viel Testosteron hat, ein genitale hat das eher aus sieht wie ein Junge.

Auch wenn die Änderung als großer Durchbruch gefeiert wird, sind die Betroffenen alles andere als begeistert. Viele Initiativen für Intersexuelle sprechen sich gegen dieses Gesetz aus. Vor allem deshalb, weil es nicht die eigentlichen Probleme bekämpfe. Zum Beispiel die kritisierten Genitaloperationen von Säuglingen bei denen das Geschlecht eindeutig festgelegt werden soll. Versuche diese Eingriffe verbieten zu lassen sind jedoch gescheitert. Markus Bauer von der Intitiative Zwischengeschlecht.org sagt, dass es im Juni bereits Vorschläge im Bundestag gegeben hat, welche die Forderungen der Betroffenen aufgegriffen haben. Weit ist man damit aber nicht gekommen.

Das stand auch überall an erster Stelle, es müssen gesetzliche Maßnamen geschaffen werden. Das wurde aber abgelehnt im Bundestag und das heißt konkret hat da der bundestag den ersten offiziell den passierschein gegeben um da weiter zu operieren.Und gleichzeitig machen sie dieses murksgesetz und tun so als ob sie etwas für die btroffenen tun wollen.

Wenn nun ein Kind nicht in die Kategorie männlich oder weiblich passt, bekommt es dann den Stempel „keine Angabe“? Das kann zu einem Zwangsouting in Kindergarten oder Schule führen. Trotzdem spricht wenig für einen operativen Eingriff, der das Kind zum Mädchen oder Jungen macht. Vor allem das Kind, welches später damit leben muss, wird in dieser Entscheidung umgangen. Eine freie Entscheidung findet selten statt. Nur selten ist der medizinischer Eingriff wirklich lebensnotwendig ist. Markus Bauer sieht solche frühen Eingriffe daher kritisch:

Das eine ist, dass diese Operation das Empfinden des Kindes nicht ändert und je nach dem weiß man auch nicht, wie da die Entwicklung statt finden wird und das heißt wenn man etwas wegschneidet dann is das eventuell genau das was das Kind später haben möchte

Zum anderen hätten solche Operationen oft körperliche Folgen und seien nicht ungefährlich. Bei den Eingriffen geht es oft um sehr sensitives Gewebe und kann in Narben, Schmerzen oder auch dem Verlust von Sexuellem Bedürfnis enden.

Das einzig Positive, was die Betroffenen an dem Gesetz sehen fasst Markus Bauer so zusammen:

dass die ganze Thematik dadurch ein bisschen mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerät. Dass die öffentliche Wahrnehmung gesteigert wird. Und das Gesetz mag ja gut gemeint sein, aber es mag ja auch ein Zeichen sein, dass es für diese Kinder endlich etwas tun will. Aber wie es herausgekommen ist ist leider nicht positiv.

Politiker hingegen feiern die Gesetzesänderung als liberalen Erfolg. Intersexuelle müssen sich nun nicht mehr auf ein Geschlecht festlegen, sondern können selbst entscheiden. Ob sie jetzt als männlich oder weiblich oder „keine Angabe“ geführt werden, ist jedoch oft zweitranging.

jeder Betroffene soll selbst entscheiden können. Was ist mir mehr wert. Dass ich eher aussehe wie die anderen und vielleicht weniger auffalle und dafür aber in Kauf nehme , dass eben das Gefühl vermindert wird. Das ist eine höchst persönliche Entscheidung und es geht um ganz intime dinge und das kann niemand einem Menschen abnehmen oder sich das recht herausnehmen über diese Menschen zu entschieden