Lebensmittelindustrie | Hoffnung für männliche Küken

Neues Verfahren rettet Küken vor dem Schredder

27.03.2015

Männchen oder Weibchen? In Hennenzuchtanlagen entscheidet diese Frage über Leben und Tod. Während die weiblichen Küken für die Eierproduktion vorgesehen sind, landen männliche direkt im Schredder. Das soll sich jetzt ändern.

Ein Fließband fährt auf scharfe Klingen zu. Auf ihm sitzen piepsende, flauschig-gelbe Küken. Keines von ihnen wird die Fahrt in den Schredder überleben. Sie sollen es auch nicht. Denn männliche Küken können keine Eier legen und sie zu mästen, lohnt sich für die Lebensmittelindustrie nicht.

Tatsächlich ist dieses Szenario in deutschen Hennenzuchtanlagen Alltag. Hier sterben jährlich mehr als 40 Millionen männliche Küken, weil sie für die Eierproduktion nicht geeignet sind. Nicht alle von ihnen werden geschreddert. Ein Großteil der männlichen Küken wird mithilfe von CO2 betäubt und getötet. Aus ihren Überresten wird vor allem Tierfutter hergestellt. Doch die Produktion an Hühnerküken ist so groß, dass nicht alle verfüttert werden können. Viele landen einfach im Müll. Ein neues Verfahren soll das nun verhindern.

Henne oder Hahn?

Die neue Methode soll das Geschlecht der Küken schon vor dem Schlüpfen erkennen. Entwickelt wurde sie von der Leipziger Tiermediziner Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns und ihren Kollegen. Mithilfe des Untersuchungsverfahren der Tiermediziner kann etwa ab dem dritten Bebrütungstag ermittelt werden, ob sich in dem Ei ein männliches oder weibliches Küken entwickelt. Das bedeutet, dass Eier mit männlichen Embryonen zukünftig gar nicht erst fertig ausgebrütet werden müssen.

Die befruchteten Eier mit männlichen Küken können nicht mehr gegessen werden. Wir haben aber bereits in unserer Gruppe diskutiert, dass man diese Eier als hochwertiges Fischfutter oder Shampoo einsetzen könnte. – Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns

Noch ist das Verfahren nicht reif für den täglichen Einsatz in der Lebensmittelindustrie. Die Wissenschaftler um Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns brauchen noch mindestens zwei Jahre, um die bestehende Probleme mit den Untersuchungsgeräten zu beheben. Doch schon jetzt haben sie für ihr Verfahren den Felix-Wankel-Tierschutzpreis der Ludwig-Maximilians-Universität München gewonnen. Wie die Untersuchungsmethode genau funktioniert und ob sie deutschlandweit eingeführt werden könnte, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Marie Kaiser mit Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns gesprochen.

Redaktion: Marie-Kristin Landes