Lungenärzte bezweifeln Feinstaub- und Stickoxid-Grenzwerte

Der Zweifel am Erwiesenen

24.01.2019

Über 100 Lungenärzte kritisieren die Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub. Dabei ist das Risiko für den Menschen weltweit anerkannt.

Grenzwerte: zu hoch oder zu niedrig?

Ein Aufruf von Dr. Dieter Köhler und seinen Befürwortern schlägt in den Medien hohe Wellen. Sie kritisieren ein Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie aus dem letzten Jahr. Demnach stellen Feinstaub und Stickstoffdioxid ein akutes Gesundheitsrisiko dar. Im Rahmen des Dieselskandals hat das Helmholtz-Institut in München getestet, wie sich die Schadstoffe in verschiedenen Gebieten auf die Gesundheit der Getesteten auswirkt. Für Köhler und seine Kollegen ist das allerdings kein zureichender Beweis für die aus ihrer Sicht zu geringen Grenzwerte. Christian Witt leitet die Pneumologie an der Berliner Charité, er schätzt die aktuellen Grenzwerte sogar noch als zu hoch ein:

Wir sind in Deutschland schon hoch, weil wir die Autoindustrie haben, die sehr viel Einfluss hat politisch. Nach meiner Meinung müssten wir weiter runtergehen, um die Leute zu schützen. – Christian Witt

Weltweite Forschung bestätigt Gesundheitsrisiko

Einer wissenschaftlichen Diskussion sollte laut Witt nichts im Wege stehen. Doch hat die Kritik an den Grenzwerten in kürzester Zeit auch politisch Wellen geschlagen. Verkehrsminister Andreas Scheuer etwa will die ganze Debatte um Grenzwerte neu aufrollen. Dabei ist die Gesundheitsgefahr durch Schadstoffe international wissenschaftlich anerkannt.

StickoxidEs gibt einen weltweiten „common sense“, eine Übereinstimmung, dass Stickoxide und Feinstaub keine gesundheitsfördernden Substanzen sind. Und dass sie möglichst niedrig zu halten sind; zum Schutz aller.Christian Wittist Lungenarzt und Leiter der Pneumologie an der Berliner Charité. 

Über die Kritik von 100 Lungenärzten am Gesundheitsrisiko von Schadstoffen hat detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer mit Lungenfacharzt Christian Witt gesprochen. Er leitet die Pneumologie an der Berliner Charité.

Redaktion: Matthias Müller