Technik | Wenn Mensch und Maschine verschmelzen

Wie viel Maschine steckt in uns?

27.01.2016

In Filmen wie Terminator oder Ex Machina ist sie noch Fiktion, doch aktuell erleben wir, wie sie langsam Realität wird: eine Verschmelzung von Mensch und Maschine. So wie Roboter und Computer mit Daten gefüttert werden, so lässt sich mittlerweile auch der Mensch in Daten, die er produziert, wiederfinden. Ändert sich dadurch unser Menschenbild?

Menschliche Maschinen

Alltagsgegenstände werden vermehrt zu Überwachungsmechanismen – Armbanduhr, Heizung, Auto, Computer, Zahnbürste, Laufarmband, alle können miteinander vernetzt werden. Mit dem sogenannten Internet der Dinge existieren so von jedem Nutzer eine Fülle von Daten und schließlich ein ganzes Datenprofil. Möglicherweise lässt das Menschen zu „berechenbaren“ Wesen werden, die anhand von Mustern und Algorithmen „gelesen“ werden können.

Wie weit ist es da noch zu ganz normaler Hardware – zu Maschinen, die programmierbar, „berechenbar“ sind? Das zunehmende Datenvolumen, das Menschen durch genutzte Geräte erzeugen, könnte darüber Aufschluss geben: Die Daten fungieren schon lange als austauschbare Währung von sämtlichen Großkonzernen – mit der Option, den Menschen zu lesen, um irgendwann Einfluss auf ihn nehmen zu können. Paradebeispiel: Kaufentscheidungen.

Das Gehirn des Menschen lässt sich bereits grob von Maschinen imitieren. Deep Learning nennen Wissenschaftler die Methode, mit der Computer lernen, Gesichter, Sprachen, Bilder und Gefühle zu erkennen und deuten. Dabei werden künstliche Neuroverbindungen durch Maschinen simuliert. Prominentes Beispiel für das Deep Learning ist das Programm Siri, das anhand von Stimmerkennung Befehle von Nutzern ausführt.

Die Grenze zwischen Mensch und Technik – […] wird etwas durchlässiger. – Armin Grunwald, Professor für Technikphilosophie am KIT

Es findet also längst ein Übergang zu einer humanoiden Technologie statt – mit uns mittendrin. Doch was bedeutet das für unser Selbstbild?

Manipulation durch Social Engineering

Im psychologischen Kontext gewinnt der Einsatz von intelligenten Daten-Analysen eine heikle Dimension. In einem Experiment hat Facebook 2014 die Timelines seiner Nutzer manipuliert: Eine Woche lang wurden aus ca. 690.000 Facebook-Nutzern unfreiwillig Versuchspersonen. Bei einer Hälfte der Versuchsgruppe wurden positive Einträge angezeigt, die andere Hälfte konnte nur negative Nachrichten in ihrer Timeline sehen. Getestet wurde dabei, ob sich Menschen durch soziale Netzwerke emotional beeinflussen lassen. Das Experiment zeigt, dass Konzerne durchaus Einfluss auf die Wahrnehmung von Menschen ausüben können – oder wenigstens darüber nachdenken.

Über den Einfluss von Konzernen auf menschliches Denken und Handeln und die Entwicklung der Roboter-Technik hat detektor.fm-Moderator Gösta Neumann mit Armin Grunwald gesprochen. Er ist Professor für Technikphilosophie am Karlsruher Institut für Technologie und berät den Deutschen Bundestag in der Technikfolgen-Abschätzung.

Armin_GrunwaldWas, glaube ich, niemand zur Zeit weiß: ob nicht schleichend so eine Art Entmündigung eintritt.
Armin Grunwaldfürchtet, dass neue Technologie in Zukunft nicht kritisch genug hinterfragt wird 

Redaktion: Zülal Yildirim