Mikroplastik im Hochgebirge

Müll findet seinen Weg

18.05.2018

In den Weltmeeren treibt tonnenweise Müll, das ist bekannt. Wissenschaftler haben nun aber auch im Schweizer Hochgebirge Mikroplastik aufgespürt.

Fünf Zentimeter Erdreich – Tonnenweise Mikroplastik

Das prominenteste Opfer von Mikroplastik sind die Weltmeere. Gigantische Inseln aus Müll treiben um den Globus und bedrohen ganze Ökosysteme. Über die Nahrungskette landen die Partikel schließlich auch auf unseren Tellern. Schweizer Wissenschaftler schlagen nun erneut Alarm: Auch in den Böden der Alpenidylle haben sie tonnenweise Plastikpartikel nachgewiesen.

Es gab einige Studien, die für Aufsehen gesorgt haben. Mikroplastik im arktischen Eis, im Honig, im Speisesalz. Man kann davon ausgehen, dass Mikroplastik überall zu finden ist. – Moritz Bigalke, Universität Bern

Das Team des georgraphischen Instituts der Universität Bern hat in 29 Schweizer Naturschutzgebieten Proben genommen. Nur drei von ihnen waren plastikfrei. Mit Funden in der Nähe von Flüssen und Auen haben die Wissenschaftler gerechnet. Schließlich löst und transportiert Wasser Mikroplastik. Die hohe Konzentration im Hochgebirge überraschte jedoch. Klassische Plastikquellen wie Mülldeponien fehlen hier, wie also findet der Müll seinen Weg?

Kratzen an der Oberfläche

Im Gegensatz zu ihren Kollegen auf den Ozeanen stehen die Schweizer Wissenschaftler jedoch noch am Anfang ihrer Arbeit. Zur See lassen sich Proben unkompliziert entnehmen. Ein spezielles Schleppnetz am Boot fängt Plasikpartikel ein und misst die gefilterte Wassermenge. Anders an Land: Mikroplastik verteilt sich im Erdreich nicht gleichmäßig. In der Nähe größerer Stücke steigt die Konzentration. Daher arbeiten die Wissenschaftler mit Bodenproben, aus denen Durchschnittswerte errechnet werden. Bisher können die Forscher die Funde im Hochgebirge nur mit dem Wind erklären. Der könnte die Partikel hianuftragen. In Paris konnten Forscher erst 2015 erstmals Mikroplastik in der Luft nachweisen. Auch zu den Folgen für Tiere und Menschen ist noch Grundlagenarbeit nötig.

Moritz Bigalke vom geographischen Institut der Universität Bern hat in den Schweizer Alpen Proben entnommen. Wie findet der Müll seinen Weg in entlegene Hochgebirge und abgeschiedene Täler? Welche Folgen haben die Ablagerungen für die Ökosysteme? Darüber spricht er mit detektor.fm-Moderator Christian Eichler.

WasserkraftWenn man nicht weiß, ob etwas langfristig schädlich ist, sollte man versuchen die Verbreitung soweit wie möglich zu vermeiden.Moritz Bigalkehat für die Universität Bern Bodenproben in der Schweiz gesammelt.