Play
Bild: Daniel Sannum Lauten | AFP

Mission Energiewende | CO2-Speicherung

CO2-Endlager gesucht

Um die Erderwärmung einzudämmen, sollen große Mengen klimaschädliches CO2 unterirdisch gespeichert werden. Die Suche nach geeigneten CO2-Endlagern ist bereits in vollem Gange. Doch die Technologie ist umstritten.

Präsentiert von

CCS und negative Emissionen

Mit dem Pariser Klimaabkommen hat sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, die Erderwärmung möglichst unter 1,5 Grad zu halten. Aber nur dadurch, dass wir Emissionen reduzieren, wird das kaum zu schaffen sein. Der Weltklimarat (IPCC) geht davon aus, dass dazu auch sogenannte „negative Emissionen“ notwendig sind – also dass der Atmosphäre CO2 auch wieder entzogen werden muss.

Sogenannte CCS-Verfahren (Carbon Dioxide Capture and Storage), bei denen man klimaschädliches CO2 auffängt und dann unterirdisch speichert, könnten für den Kampf gegen die Klimakrise also noch sehr wichtig sein.

Die Suche nach dem CO2-Endlager

Doch die Technologie ist umstritten. Ein Problem: Man braucht geeignete Orte, an denen das CO2 dauerhaft und sicher gelagert werden kann.

Wir haben Erfahrungen mit der Speicherung von Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Das funktioniert, da hat sich auch gezeigt, dass das technisch realisierbar ist. Aber die Gesamtdimension, die wir benötigen, um einen wirksamen Effekt auf den Klimawandel zu haben, in der Dimension haben wir das noch nicht gemacht.

Frank Schilling, Dekan der Fakultät Bauingenieur-, Geo- und Umweltwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie und ehemaliger Projektleiter der CCS -Pilotanlage in Ketzin

In Deutschland konnte sich die Technologie bisher nicht durchsetzen. Vereinzelte Vorhaben, CO2 unterirdisch zu lagern, sind an Protesten und geringer politischer Unterstützung gescheitert. Zu groß war die Sorge vor unkalkulierbaren Risiken der CO2-Speicherung. Lediglich eine Pilotanlage in Ketzin bei Brandenburg ist bisher in Betrieb gegangen und hat einige zehntausend Tonnen Treibhausgas in tiefen Gesteinsschichten verpresst.

Wenn CO2-Speicherung in Zukunft in großem Maßstab angewendet wird, dann könnte es sein, dass es zu Leckagen kommt, allerdings in kleinem Maßstab. Also wir sprechen über ein paar Tonnen pro Jahr, die da rauskommen können, im Verhältnis zu ein paar Millionen Tonnen pro Jahr, die man indiziert.

Klaus Wallmann, Professor für Marine Geosysteme am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Klaus Wallmann, Professor für Marine Geosysteme am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

CCS-Pionier Norwegen

Um einiges weiter ist man da in Norwegen. Dort wird schon seit über zwei Jahrzehnten CO2 unter der Nordsee gelagert. Ein neues Großprojekt, das „Northern Lights Project“, will die CO2-Speicherung nochmal in einem viel größeren Maßstab angehen und hat Ambitionen, eine Art CO2-Endlager für ganz Europa zu werden.

Das Lager, das wir gewählt haben, kann hunderte Millionen Tonnen CO2 aufnehmen. Und es gibt in der Nordsee noch weitere geeignete Lager, die wir zur CO2-Speicherung nutzen können. Wir denken, dass wir das Speichervermögen ziemlich schnell hochfahren können, auf viele Millionen Tonnen pro Jahr.

Sverre Overå, Projekt-Direktor bei „Northern Lights“

Sverre Overå, Projekt-Direktor bei "Northern Lights"

Welche Chancen und Risiken die unterirdische Speicherung von CO2 hat, dem ist detektor.fm-Redakteur Yannic Köhler auf den Grund gegangen. Mit Frank Schilling, dem ehemaligen Projektleiter der Pilotanlage in Ketzin, hat er darüber gesprochen, wie ausgereift CCS-Technologien mittlerweile sind. Ob das norwegische Northern Lights Project als europäisches CO2-Lager taugt, das wollte er von Sverre Overå, dem Direktor des Projekts, wissen. Und welche Gefahren die unterirdische CO2-Speicherung mit sich bringt, das verrät Klaus Wallmann, der CO2-Lager auf zahlreichen Forschungsexpeditionen in der Nordsee untersucht hat. Von den Ergebnissen seiner Recherche berichtet Yannic Köhler detektor.fm-Moderatorin Sophie Rauch in dieser Folge „Mission Energiewende“.