Nachweis von Cannabis: Warum der Haartest unzuverlässig ist

Cannabis-Test: "Übertragung von einer Person auf eine andere"

16.10.2015

Bisher wurde angenommen, dass sich Cannabis-Konsum zweifelsfrei aus einer Haarprobe nachweisen lässt. Nun hat ein Forschungsteam der Universität Freiburg herausgefunden: dieser Test ist unzuverlässig. Warum, erklärt uns der Leiter der Studie.

Konsum ist nicht so einfach nachweisbar

Bislang wurde davon ausgegangen, dass sich Cannabiskonsum durch eine Haar-Analyse und Rückständen in der Haarwurzel zweifelsfrei festellen ließe. Doch ein Forscherteam der Universität Freiburg um Professor Volker Auwärter hat nun rausgefunden: Dieser Cannabis-Test ist unzuverlässig.

Selbsttest für die Wissenschaft

Zwei Mitarbeiter der Uni Freiberg haben einen Selbsttest gewagt: 30 Tage haben sie ein halbsynthetisches THC, das sogenannte Dronabinol, regelmäßig zu sich genommen. Danach folgten Messungen.

Heraus kam: die THC-Einlagerungen bilden sich nicht, wie bisher angenommen, in der Haarwurzel. Konkret heißt das: Eine Haaranalyse beweist nicht, ob Cannabis konsumiert wurde.

THC übertragbar

Doch die Studie produzierte noch mehr Zweifel an der bisherigen Methode. Denn die Forscher konnten zeigen: Reste von THC können auch durch Köperkontakt übertragen werden.

Sobald jemand, der gekifft hat, eine andere Person berührt oder ihr durch die Haare streicht, können THC-Reste übertragen werden. Die Folge: der Test würde dort, obwohl kein Cannabis konsumiert, ebenfalls positiv.

Die Übertragung geschieht durch Schweiß- und Talgdrüsen. Auch das bloße Passivrauchen, beispielsweise in einem Club oder einer Kneipe, hinterlässt Rückstände auf den Haaren von Nicht-Konsumenten – Rückstände, die auch nach mehreren Haarwäschen nicht so einfach verschwinden.

detektor.fm-Moderator Alexander Hertel hat mit dem Leiter der Studie, Volker Auwärter, über verschiedene Nachweismethoden von Cannabis und die Konsequenzen aus der Studie gesprochen.

Man muss in einigen Fällen sehr vorsichtig sein, gerade wenn es um die Beweiskraft der Methode geht.Volker Auwärterist Laborleiter der Forensischen Toxikologie am Institut für Rechtsmedizin der Uni Freiburg. 

Redaktion: Mirjam Ratmann, Maria Mathias