OECD-Gesundheitsbericht: Deutsche zahlen mehr für Medikamente

Gesundheit kann günstiger sein

12.11.2015

Die Deutschen lassen sich ihre Medikamente viel kosten: In kaum einem anderen Land in Europa wird so viel für Arzneimittel ausgegeben, wie bei uns. Das besagt ein aktueller Gesundheitsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Aber woran liegt das?

detektor.fm sammelt für eine neue Vormittagssendung


Rund 620 Euro geben die Deutschen im Jahr durchschnittlich für Arzneimittel aus, nur die Griechen zahlen für Gesundheit noch mehr Geld. Das besagt zumindest ein aktueller Gesundheitsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Kaum jemand gibt also so viel Geld für Medikamente aus wie wir Deutschen.

Die Mücke wird zum Elefanten

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, geben wir jedoch nicht nur mehr Geld für Medizin aus: Wir gehen auch öfter zum Arzt. Rund zehn Mal geht jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr zum Hausarzt. Teilweise geht es dabei nur um einen Schnupfen. Ohne Rezept verlässt man die Praxis meist trotzdem nicht.

Die Ärzte verschreiben häufig Medikamente, die neu auf den Markt kommen, noch patentgeschützt sind und demtentsprechend teilweise unendlich teuer sind. – Antonie Kerwien, OECD

Das deutsche Gesundheitssystem steht schon lange in der Kritik. Es sei nicht transparent und wenig effizient. Dabei gehört es zu den teuersten Systemen Europas. Das spiegelt sich auch in den steigenden Versicherungsbeiträgen wieder.

Klassische Zivilisationskrankheiten

Die häufigsten Medikamente, die in Deutschland vom Arzt verschrieben werden, sind unter anderem Diabetes-Medikamente. Immer mehr Menschen leiden an Fettleibigkeit.

Welche Medikamente wir brauchen, hängt stärk mit unserer Lebensweise zusammen. – Antonie Kerwien

Noch häufiger werden jedoch blutdrucksenkende Arzneimittel verschrieben. In unserer modernen Zivilisation wird immer noch viel geraucht und häufig Alkohol getrunken, was bei vielen Menschen zu Bluthochdruck führt.

Über die Gründe für die hohen Arzneimittelausgaben hat Antonie Kerwien von der OECD im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt gesprochen.

Antonie_KerwienSie sollten nicht jedes Medikament, das der Arzt Ihnen verschreibt, in Frage stellen. Aber natürlich können Sie nach günstigen Alternativen fragen.Antonie Kerwienarbeitet als Pressesprecherin bei der OECD 

Redaktion: Laura Zachmann