Open-Source-Seed Tomate auf dem Markt

Rote Revolution?

09.05.2017

Tomate gegen Monsanto? Riesige Saatgutkonzerne bestimmen immer mehr den Markt für Saatgut und somit auch die Landwirtschaft. Die Initiative "Open Source Seed" will dem entgegenwirken - unter anderem mit einer Tomate, die allen gehört.

Tomaten als Auslöser für eine Revolution? Das hört sich erst einmal komisch an, kann aber tatsächlich Realität werden. Denn in der Landwirtschaft wird es immer schwieriger, nicht-patentiertes Saatgut zu bekommen. Fünf große Saatgutkonzerne bestimmen nämlich 95 Prozent des Marktes und somit auch den Preis.

Die Macht der großen Saatgutkonzerne

Früher zweigten Landwirte einfach einen Teil ihres Ertrags ab und pflanzten die Samen im nächsten Jahr wieder an. Das ist jetzt kaum mehr möglich, denn die Rechte für die Samen liegen bei den großen Konzernen. Außerdem handelt es sich oft um Saatgut, das sich in der Folgegeneration nicht mehr fortpflanzen kann, weil ihm durch die Zucht die Pollen fehlen. Die Landwirte sind also auf die Saatgutkonzerne angewiesen – und das Jahr für Jahr. Damit bestimmen die großen Konzerne durch das Quasi-Monopol fast alleine, wer anbauen und wer weiterzüchten darf.

Klar ist, wir müssen Schritte ergreifen gegen die Aneignung genetischer Ressourcen. – Bernd Horneburg

Mittlerweile gehen die Konzerne sogar so weit, dass sie ganze Gemüsesorten patentieren lassen. Gemüse mit natürlich vorkommenden Eigenschaften, wie gewissen Resistenzen, wird patentiert, obwohl die Saatgutkonzerne nichts mit dieser Entwicklung zu tun haben. Eigentlich gibt es dafür ein Verbot der Großen Koalition, allerdings findet das Patentamt immer wieder Schlupflöcher im Gesetz.

Open-Source-Seed-Lizenz als Rettung?

Die Initiative „Open-Source-Seed“ will dagegen vorgehen. Sie verteilt Open-Source-Lizenzen an neue Pflanzen, um so zu verhindern, dass die großen Konzerne sie sich unter den Nagel reißen. Wenn eine Pflanze diese Lizenz einmal hat, ist es nicht mehr möglich, sie zu patentieren. Das gilt auch für Weiterzüchtungen. Man kann diese Pflanze dann ganz frei nutzen und auch verkaufen, nur eben nicht mehr für sich proklamieren. Die erste Pflanze, die diese Lizenz bekommen hat ist die Tomate „Sunviva“, die seit dem 26. April erhältlich ist.

Bernd Horneburg von der Universität Göttingen hat an der Tomate Sunviva mitgearbeitet. detektor.fm-Moderator Kais Harrabi hat mit dem Agrarforscher gesprochen und sich erklären lassen, wie groß das Potenzial der Open-Source-Tomate ist.

Bernd HorneburgDie Open-Source-Seed-Lizenz ist damit ein Schutz eines Gemeingutes und das ist das Innovative.Bernd Horneburgist Agrarwissenschaftler an der Universität Göttingen. 

Redaktion: Roberta Knoll