Forschungsquartett | Restaurierung in Pompeji: Pompeii Sustainable Preservation Project

Pompeji: Das Archiv der Restauratoren

03.09.2015

Pompeji, die antike Ruinenstadt am Fuße des Vesuv, ist nicht nur ein Open-Air-Museum für Alte Geschichte. Seit 250 Jahren wird dort gegraben, restauriert und konserviert. Pompeji ist damit auch ein Archiv für die Geschichte der Konservierungsforschung, sagen Fraunhofer-Forscher - und wollen dort nun eine Art Archiv für Restauratoren aus aller Welt entstehen lassen.

Fast 1.700 Jahre lag Pompeji unter einer 25 Meter tiefen Schicht aus Asche und Bimsstein begraben. Nach der Verschüttung durch den Ausbruch des Vesuv 79 n. Chr. wurde erst 1748 wieder mit systematischen Ausgrabungen der römischen Stadt begonnen. Seitdem arbeiten nicht nur Archäologen, sondern auch Restauratoren und Konservatoren in der Ruinenstadt.

Dr. Albrecht MatthaeiMan hat in Pompeji eine Ausgrabungsstätte, die seit 250 Jahren genutzt wird, restauriert wird, umgebaut wird, gestaltet wird. Da kann man eben auch verfolgen und sehen, was zu welcher Zeit gemacht wurde. Und das geht sonst nirgendwo in dieser Form.Dr. Albrecht Matthaeiist Archäologe und Mitinitiator des Pompeii Sustainable Preservation Project. Foto: Privat 

Pompeji ist ein Museum – für die Geschichte der Restauration

Pompeji ist heute deswegen nicht nur ein Zeugnis der römischen Geschichte, sondern auch ein Museum für die Geschichte der Restauration. Und was im 18. und 19. Jahrhundert noch ein reines Kunsthandwerk war, hat sich inzwischen zu einer akademischen Disziplin entwickelt.

Wie lassen sich römische Mörtel am besten erhalten? Wie kann antike Architektur effizient trockengelegt werden? Das sind Fragen, mit denen sich Konservierungsforscher befassen. Und welches bessere Anschauungsmaterial könnte es für diese Disziplin geben als eben Pompeji, in dem ohnehin noch viel praktische Arbeit zu leisten ist, um die Stadt vor weiterem Verfall zu bewahren.

Pompeji soll ein Treffpunkt für Restauratoren aus aller Welt werden

Das Pompeji Sutainable Preservation Project (PSPP) soll beides leisten: Die Stadt erhalten und Forschung ermöglichen. Zudem soll es Pompeji zu einem Treffpunkt für Restauratoren und Konservierungsforscher aus aller Welt machen, die dort Konferenzen abhalten können.

Studenten haben ab Anfang September 2015 die Möglichkeit, im Rahmen von Summer-Schools praktische Erfahrung vor Ort zu sammeln. Die italienische Denkmalbehörde für Pompeji, Herkulaneum und Stabia hat dem Projekt dafür das Gelände der Nekropole vor der Porta Nocera bereitgestellt, zwischen der modernen Stadt Pompeji und dem Herzen des archäologischen Parks gelegen.

  • Straße in Pompeji heute. Vor allem das Wasser setzt der antiken Bausubstanz zu. Foto von Nikolas Moya von Flickr.com (CC BY-SA 2.0)
  • Straße in Pompeji um 1900. Foto: Library of Congress / Wikimedia (CC0 - Gemeinfrei)
  • Die Weltberühmten Fresken der Mysterienvilla. Foto von themadpenguin von Flickr.com (CC BY-ND 2.0)
  • Hier wird das PSPP vorerst tätig: Gräber in der Nekropole vor der Porta Nocera. Foto: Mboesch von wikimedia-commons (CC BY-SA 3.0)

Initiiert wurde das Projekt von zwei Mitarbeitern des Fraunhofer Instituts für Bauphysik, dem Archäologen Dr. Albrecht Matthaei und dem Konservierungsforscher Dr. Ralf Kilian. Die Wissenschaftler lernten sich während des Studiums in Pompeji kennen. Bereits damals reifte die Idee für das Projekt. Inzwischen beteiligen sich etwa 30 internationale Partner wie die UNESCO oder die Oxford University an PSPP.

Deren Beteiligung besteht aber nicht in finanzieller, sondern in wissenschaftlicher Unterstützung. Finanziert werden soll das Projekt durch private Mäzene, die größere Beträge für den Erhalt Pompejis spenden möchten.

Die Spendenkultur der USA stand Pate für das Projekt

Laut den Gründern reichen die öffentlichen Gelder nicht aus, um die große Zahl europäischer Kulturdenkmäler zu schützen. Deswegen hoffen sie, mit ihrem Projekt private Gelder einzuwerben. Vorbild für das PSPP ist übrigens das Herculaneum Conservation Project des amerikanischen Mäzens David W. Packard, Sohn des Hewlett-Packard-Gründers David Packard. Auch dort wird privat finanzierte Konservierungsforschung mit aktiver Restaurierungsarbeit verbunden.

Wie das Projekt in Pompeji funktionierten soll und was die Wissenschaft dort lernen kann: Mike Sattler hat nachgefragt.

Dr. Ralf Kilian, Leiter der Forschungsgruppe, die den reversiblen Putz entwickelt hatIn den USA gibt es den Giving-Pledge, wo also Millardäre gesagt haben, sie stiften einen Großteil ihres Vermögens für philanthropische Zwecke. Das ist etwas, was in Europa noch kaum verbreitet ist, und man fragt sich warum. Und ich denke, das wir eigentlich attraktive Themen haben, mit denen man da etwas erreichen könnte.Dr. Ralf KilianKonservierungsforscher und Mitinitiator des Pompeii Sustainable Preservation Projects