VG Wort-Streit stellt Hochschulen vor Probleme

Teure Texte

29.11.2016

Jeden Tag werden in Universitätsseminaren tausende Seiten Text behandelt. Die Autoren sollen ab nächstem Jahr für jedes Seminar pro Seite und Studenten je 0,8 Cent bekommen. Viele Hochschulen lehnen das ab: zu aufwändig, zu teuer. Studenten könnte deshalb bald der Zugriff auf Lernamterialen ihrer Kurse verweigert werden.

Lernmaterialien an Universitäten enthalten oft Textpassagen von Mitgliedern der Verwertungsgesellschaft „VG Wort“. Die VG Wort nimmt für die Autoren die Urheberrechte wahr. Für die Nutzung dieser Texte erhält die Gesellschaft bisher eine pauschale Vergütung von den Universitäten. Durch dieses Verfahren werden die Autoren nach Ansicht der VG Wort allerdings nicht ausreichend entschädigt. Daher hat die Vereinigung 2015 vor Gericht erreicht, dass jede einzelne Seite eines Universitäts-Skripts pro Seminar und pro Student gemeldet und entsprechend bezahlt werden muss.

Da das für die Universitäten jedoch schwer umsetzbar ist, haben sich die Kultusministerkonferenz (KMK) und die VG Wort für das Jahr 2016 noch einmal darauf geeinigt, die Texte mit einer pauschalen Abgabe zu vergüten. Ab dem kommenden Jahr sollen die Universitäten jedoch wie geplant für jede Seite zahlen. Eine entsprechende Rahmenvereinbarung haben die KMK und die VG Wort ausgehandelt.

Wer ist die VG Wort?

Die Verwertungsgesellschaft Wort ist eine Vereinigung von Autoren und Verlagen. Sie sammelt die Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten von Texten und gibt sie an Urheber weiter. Wenn Dozenten oder Lehrer Werke nutzen oder daraus zitieren, wird das bei der VG Wort registriert. Der Nutzer muss den Beitrag an die Vereinigung bezahlen und der Autor bekommt den entsprechenden Betrag.

Neuer Deal legt Universitäten lahm

Laut der neuen Rahmenvereinbarung müssen die Nutzer eine Einzelvergütung an die VG Wort zahlen. Doch das führt zu einem großen Problem: Denn die Universitäten müssten ab 2017 in einem Einzelverfahren für jede Seite klären, ob sie unter die neue Regelung fällt und ob dementsprechend dafür gezahlt werden muss. Die Universität Osnabrück hat das neue Gesetz in einem Pilotprojekt getestet. Das Ergebnis: Es ist ein enorm großer administrativer Aufwand und daher extrem teuer, jede Seite einzeln zu erfassen.

Deshalb haben sich einige Landesrektorenkonferenzen dazu entschlossen, dem neuen Rahmenvertrag nicht beizutreten. Die Konsequenz ist jedoch ebenso gravierend. Denn Dozenten können die Unterlagen und Texte der Kurse nicht wie bisher in Online-Plattformen für die Studierenden bereitstellen. Die Studenten könnten ab 2017 auf dem Trockenen sitzen.

Nachverhandlung der Bedingungen

Da die neuen Regeln für beide Seiten unbefriedigend sind, setzen sich die Hochschulrektorenkonferenz und die VG Wort gerade nochmal zusammen und verhandeln. Das Ergebnis der Verhandlungen ist bis jetzt aber völlig offen.

Eine Einzelabrechnung übertrifft unsere Leistungsfähigkeit der Abrechnung bei weitem. Die VG Wort ist bereit, wieder zu verhandeln und das begrüßen wir sehr. – Prof. Dr. Wolfram Ressel

Professor Wolfram Ressel ist glücklich darüber, dass die Parteien aktuell versuchen, einen Konsens zu finden. Warum es überhaupt zu dieser Situation gekommen ist und wie die Universitäten das Problem lösen wollen, erklärt der Rektor der Universität Stuttgart und Leiter der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Maja Fiedler.

Universität Stuttgart Portrait Rektor Wolfram ResselWir wollen gar nicht am Urhebergesetz rütteln. Wir wollen nur die Abrechnung so einfach gestalten, wie sie bisher auch war und jetzt nicht einen riesen großen Berg an Arbeit aufhäufen.Prof. Dr. Wolfram Resselist für eine ordentliche Vergütung von Urhebern, aber gegen komplizierte Bürokratie. 

Redaktion: Joachim Plingen