Mars-Experiment auf Hawaii beendet

"Ich habe mich auf die Himbeeren gestürzt"

31.08.2016

Ein Jahr lang haben sechs Wissenschaftler das Leben auf dem Mars simuliert - abgeschnitten von der Außenwelt, um reale Bedingungen zu schaffen. Die Physikerin Christiane Heinicke war dabei und erzählt, was sie am meisten vermisst hat.

Ein Jahr lang völlige Abgeschiedenheit. Keine Freunde treffen, nicht fernsehen, nicht einkaufen. Internet ja, aber nur mit extremer Zeitverzögerung. Eine E-Mail vom Mars würde schließlich auch 20 Minuten bis zur Erde brauchen. Es sollte alles so realistisch sein wie möglich.

Das Mars-Experiment der US-Raumfahrtbörde NASA und der Universität Hawaii ist seit Ende August beendet. Zum ersten Mal seit 365 Tagen durften die sechs Wissenschaftler, drei Männer und drei Frauen, ihre kleine künstliche Welt ohne Raumanzüge verlassen.

Mars-Experiment: ein Jahr Isolation

Ein Jahr lang haben die Forscher auf nur knapp einhundert Quadratmetern zusammengelebt, in einer originalgetreuen Nachbildung einer Raumstation. Damit auch der Blick aus dem Fenster ein möglichst marsähnliches Bild bot, wurde die weiße Kuppel inmitten einer Vulkanlandschaft auf Hawaii errichtet.

Die US-Raumfahrtbörde und die Universität Hawaii wollten mit diesem Experiment mehr über die sozialen Dynamiken in kleinen Gruppen erfahren. Wer übernimmt welche Rolle? Wie gut arbeiten die Menschen zusammen? Werden sie das ganze Jahr durchhalten oder bricht jemand ab und will eher raus?

Einfach mal mehr als zehn Meter geradeaus laufen, das ging in unserem Habitat nicht. Größer war es ja nicht. – Christiane Heinicke, Physikerin und Teilnehmerin am Marsexperiment

Die Wissenschaftler wurden deshalb auf Schritt und Tritt überwacht. In den Gemeinschaftsräumen hingen Kameras, sie trugen Sensoren am Körper und mussten regelmäßig Fragebögen ausfüllen. Wenn sie die Station für einen Erkundungsgang verlassen wollten, mussten sie 18 Stunden vorher um Erlaubnis bitten. Und ohne Raumanzug durfte sowieso niemand raus.

Frisches Essen? Fehlanzeige

Als einzige Deutsche war auch die Geophysikerin Christiane Heinicke dabei. Sie hat sich vor allem nach frischem Essen gesehnt. Denn die Station wurde nur alle zwei bis drei Monate mit Nahrungsmitteln versorgt. Deshalb gab es oft Nudeln, Reis und gefriergetrocknetes Fleisch.

Ich habe mich riesig auf frisches Obst und Gemüse gefreut. Die getrockneten Tomaten waren ungenießbar. – Christiane Heinicke

Tagsüber ist jeder Wissenschaftler seinen eigenen Experimenten nachgegangen. Christiane Heinicke zum Beispiel hat versucht, dem staubigen Lavagestein Wasser zu entlocken. Funktioniert hat das. Allerdings schmeckte es ungenießbar, trinken wollte das Wasser niemand.

Was genau Christiane Heinicke noch erlebt hat, darüber hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Redakteurin Claudia Doyle gesprochen. Die Physikerin Christiane Heinicke hat detektor.fm Sprachnotizen zu ihrem Alltag zur Verfügung gestellt.

Christiane Heinicke hat am Marsexperiment teilgenommen © TU Ilmenau Cyprien VerseuxIch würde auch auf den Mars fliegen, wenn die Crew stimmt und ich ein Rückflugticket bekomme.Christiane Heinickeist Geophysikerin und war Teilnehmerin am Marsexperiment.Foto: TU Ilmenau/Cyprien Verseux