Raumfahrt | Milliardengeschäfte mit dem All

Dumpingpreise für Raketen?

18.08.2015

So alt wie die Raumfahrt selbst ist auch der Streit darüber, ob der hohe Kostenaufwand für das Vordringen ins Weltall gerechtfertigt ist. Und das, obwohl moderne Erfindungen wie das Internet ohne die Weltraumfroschung undenkbar wären. Doch durch die zunehmende Konkurrenz zwischen privaten Firmen und staatlichen Agenturen scheint jetzt Bewegung in die kostspielige Industrie zu kommen.

Unendliche Weiten – unendliche Kosten

In der Vergangheit wurde die Raumfahrt vor allem von einem bestimmt: Der Konkurrenz zwischen den Nationen. Doch der internationale Wettbewerb hat sich verschärft. Die private Raumfahrtindustrie ist auf dem Vormarsch. Raumfahrt ist inzwischen zu einem milliardenschweren Geschäft avanciert.

Firmen wie SpaceX gelingt es, zu immer günstigeren Konditionen ins All zu fliegen: ein Grund, weshalb dem Newcomer anstelle der staatlichen Raumfahrtagenturen schon einige Raumflüge zugeschlagen wurden. Kostete früher der Transport eines Satelliten mit einer europäischen Ariane-Rakete 130 Millionen Dollar, veranschlagt SpaceX für die Fahrt ins All nur knapp die Hälfte.

SpaceX erobert nicht nur das All

Niemals zuvor hat ein privates Unternhemen derart weitreichende Veränderungen in der bislang sehr festgefügten Branche bewirkt. SpaceX hat sich das Ziel gesetzt, Raketenstarts ehrheblich billiger zu machen, als es bisher der Fall ist.

Und obwohl auch das kalifornische Unternehmen mit Rückschlägen zu kämpfen hat, hat es scheinbar Erfolg. Die private Raumfahrtfirma ist innerhalb weniger Jahre mit der Falcon-9 und dem Raumschiff Dragon zu einem bedeutenden Versorger der Internationalen Raumstation aufgestiegen. SpaceX wirbelt seitdem die Raumfahrtindustrie ordentlich auf.

Raumfahrt bisher künstlich verteuert?

Das bringt natürlich Konkurrenten, die beispielsweise die amerikanische Atlas- oder die Delta-Raketen entwickeln, aber auch die europäischen Weltraumorganisation durcheinander.

Nun überraschten die staatlichen Raumfahragenturen und Hersteller den Markt mit ihrer Ankündigung, neue Raketenmodelle bis 2020 nur noch halb so teuer wie die Vorgängermodelle anzubieten. Eine späte Aufholjagd?

Es ist wie damals beim Newcomer Amazon.de auf dem Markt, er macht erstmal Dumping-Preise und darauf müssen die anderen dann reagieren. – Ulrich Walter, Wissenschaftsastronaut und Professor für Raumfahrttechnik.

Ob es sich dabei um die zukünftige amerikanische Vulcan, die europäische Ariane 6 oder die japanische H-3 handelt: Die Raumfahrtagenturen versprechen mehr oder weniger alle zum gleichen Zeitpunkt eine drastische Verringerung ihrer Kosten.

Bleibt die Frage, ob dieses Preisdumping wirklich realistisch ist und ob die günstigen Kosten für die Raketensysteme von allen Wettbewerbern eingehalten werden können.

Wie teuer muss eine Rakete wirklich sein? Und fehlte der Weltraum-Industrie bisher schlicht ein fairer Wettbewerb? Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm mit Ulrich Walter gesprochen. Er ist ehemaliger Wissenschaftsastronaut und heute Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München.

Weltraumwirtschaft_Walter-Ulrich_NASADie Amerikaner sind mit ihren eigenen Fliegern geflogen, nämlich mit Atlas- und Delta - und dafür haben sie ein wenig mehr bezahlt. Europa hatte auch einen besonderen Posten: sie waren sehr zuverlässig und allein deswegen durften sie auch einen höheren Preis berechnen. Plötzlich kommt dort SpaceX und haut in die Quere rein und man sieht: das ganze Modell hört auf zu funktionieren. Professor Ulrich Walterhat fast darauf gewartet, dass der freie Markt die Preise für Weltraumflüge reguliert. 

Weiterhin hat detektor.fm-Moderatorin Constanze Müller mit Frank Wunderlich-Pfeiffer über die künftige Entwicklung der Raumfahrt gesprochen. Er ist Wirtschaftsingenieur und hat sich in seinem Blog „Was geht?“ intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt.

Frank Wunderlich-PfeifferEs gibt jetzt eine ganze Reihe von Firmen, die relativ kleine und billige Raketen bauen. Die kosten dann pro Flug so 10 bis 20 Millionen und man wird sehen was daraus wird. Zur Zeit ist es eine echt Blase. Frank Wunderlich-Pfeifferer ist Wirtschaftsingenieur und Blogger.  

Redaktion: Carsten Jänicke