Schmerzmittel: Sucht auf Rezept

Sind Opioide wirklich alternativlos?

02.11.2017

Opioide gelten als die stärksten Schmerzmittel überhaupt und werden vor allem bei Krebspatienten eingesetzt. Doch so wirksam Opioide in Medikamenten sind, so gefährlich sind sie auch – denn sie haben starke Nebenwirkungen und machen süchtig.

Schmerzmittel mit Suchtfaktor

Es gilt als hundertmal stärker als Morphium und macht um ein vielfaches schneller abhängig als sein enger Verwandter das Heroin: Fentanyl, ein Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide. Opioide sind morphinhaltige Substanzen mit schmerzlindernder Wirkung. Eingesetzt werden sie dort, wo andere Medikamente nicht mehr anschlagen, zum Beispiel bei Krebspatienten. Doch der Einsatz opioidhaltiger Schmerzmittel ist riskant: Bis zu 300.000 Deutsche sind bereits stark abhängig in den USA sind es sogar mehrere Millionen.

Sucht auf Rezept

Gefährlich ist der Einsatz von Opioiden in der Medizin nicht nur wegen des Suchtfaktors, sondern auch wegen starker Nebenwirkungen. Zwar unterdrücken sie die Weiterleitung von Schmerzen ans Gehirn, sie schlagen aber auch auf Magen und Darm und verlangsamen die Atmung. Eine Überdosis kann zum Atemstillstand führen. In den USA sind so in diesem Jahr mehr Menschen gestorben als je zuvor: Knapp 100 Schmerzmitteltote sind es pro Tag.

Opioide ohne Nebenwirkungen?

Trotzdem sind Opioide aus der modernen Medizin nicht wegzudenken. Manche Patienten nehmen die Mittel über Monate oder Jahre ein. Bei Krebspatienten ist das manchmal unumgänglich, da ihre Schmerzen anders nicht gelindert werden können. Doch teilweise verschreiben Ärzte Opioide auch zu leichtfertig.

Die schädliche Wirkung ist seit Jahrhunderten bekannt. Trotzdem werden solche Medikamente von Firmen und Medien propagiert, weil zu wenig Alternativen bekannt sind. – Prof. Dr. Christoph Stein, Direktor der Klinik für Anästhesiologie an der Berliner Charité

An eben einer solchen Alternative arbeitet Christoph Stein. Er hat eine Substanz mit dem Namen NFEPP entwickelt, die ähnlich wirkt wie das Schmerzmittel Fentanyl allerdings ohne Nebenwirkungen und mit geringerer Suchtgefahr.

Die Substanz wirkt nur am Ort der Entzündung, nicht im Gehirn oder in anderen Geweben, wo dann Nebenwirkungen erzeugt werden. – Prof. Dr. Christoph Stein

Mit Prof. Dr. Christoph Stein von der Berliner Charité hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler über die Gefahren von Opioiden in der Medizin gesprochen.

Prof. Dr. Christoph Stein, Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin, LeitungBei Patienten, die keine Krebserkrankung haben, sollten solche Medikamente möglichst gar nicht verwendet werden, da gibt es Alternativen. Bei Krebspatienten muss man manchmal diese schlimmen Nebenwirkungen in Kauf nehmen, weil die Schmerzen so stark sind.Prof. Dr. Christoph Steinist Direktor der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin an der Berliner Charité. 

Redaktion: Laura Almanza