Stadtgespräch | Kiel: Seekuh sammelt Plastik

Der Kampf gegen Müll auf den Meeren

28.09.2016

Die "Seekuh" sieht von außen aus wie ein ganz normaler Katamaran. Doch die "Seekuh" fährt nicht zum Vergnügen umher. Sie soll von Kiel aus die Weltmeere von Plastikmüll befreien.

Das Problem ist groß, unvorstellbar groß: Die Organisation Oceana geht davon aus, dass weltweit stündlich 675 Tonnen Müll im Meer landen. Nach einer Studie des UNEP (United Nations Environmental Programme) macht Plastik 80 Prozent der gesamten Abfälle in den Meeren aus. Eine erschreckende Zahl, denn es soll sechsmal mehr Plastik als Plankton im Meer schwimmen. Die Menge des treibenden Plastikmülls an der Wasseroberfläche ist so groß, dass er vom Weltraum aus zu erkennen ist.

Besonders verheerend ist das für die Meerestiere. Viele von ihnen verwechseln Plastik mit ihrer natürlichen Nahrung. Zum Beispiel halten Schildkröten Plastiktüten für Quallen und Seevögel Plastikteile für kleine Tintenfische. Doch die Tiere können größere Plastikteile weder verdauen noch ausscheiden. Der Müll im Magen verleiht ihnen ein verhängnisvolles Völlegefühl. Die Folge: Jährlich sterben bis zu 100.000 Meeressäuger und Seevögel.

Plastik Gefahr für den Menschen

Früher oder später erhält der Mensch die Rechnung für den hohen Verbrauch, denn Plastik zersetzt sich langsam und wird zu Mikroplastik. Die winzigen Kunststoffpartikel werden von Fischen oder Garnelen gefressen, die dann auf unseren Tellern und in unseren Mägen landen.

Welche Auswirkungen das haben kann, ist noch nicht endgültig erforscht. Klar ist: Plastik enthält Giftstoffe wie Flammschutzmittel und Weichmacher. Diese Giftstoffe können krebserregend sein, wie Hormone wirken und die Fruchtbarkeit schädigen.

Eine Seekuh im Kampf gegen Plastikmüll

In dieser Woche wurde die „Seekuh“ in Kiel getauft. Dabei handelt es sich um einen Spezial-Katamaran, mit dem der Verein „One Earth – One Ocean“ auf Müllsuche gehen will. Mithilfe von Fangnetzen soll in den Weltmeeren zum Beispiel das viele Plastik gesammelt werden, um der Verschmutzung ein Ende zu setzen.

Die Seekuh ist zerlegbar und kann überallhin auf der Welt transportiert werden. Nächstes Jahr soll das Schiff zum Beispiel in Hong Kong eingesetzt werden. Zudem wurde die Seekuh auch als Forschungsschiff konzipiert.

Wie die Seekuh im Meer auf Müllsuche geht, darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Eichelt mit Günther Bonin vom Verein „One Earth – One Ocean“ gesprochen. Er hat die Seekuh mitentwickelt.

Das heißt: Wir müssen jetzt wirklich anfangen, die Gewässer zu reinigen, denn das Wasser ist der Ursprung unseres Lebens.Günther Bonin ist Mitglied des Vereins "One Earth - One Ocean" und hat die "Seekuh" mitentwickelt. 

Redaktion: Linh Pham