Umstrittener Elektro-Fischfang

Unter Strom

27.11.2017

Fischfang mit Elektro-Netzen - ab dem kommenden Jahr soll das erlaubt sein. Doch die Technik ist umstritten: Befürworter der Technik sehen Vorteile für die Meeresböden, Umweltschützer warnen vor Überfischung.

Fische fangen mit Strom

Künftig kann man Fische in EU-Gewässern mit Strom fangen: Der Elektro-Fischfang nutzt Fangnetze, an denen kleine Elektroden angebracht sind. Diese erzeugen am Meeresboden ein elektrisches Feld und schrecken so zum Beispiel Krabben oder Schollen auf. Bisher haben nur Fischer aus Belgien und Holland die Methode getestet, ab dem kommenden Jahr soll sie in der ganzen EU erlaubt sein. Doch die Methode ist umstritten.

Alternative zu Bodenschleppnetzen?

Gängig sind bislang noch schwere Kettennetze, die Fischer über den Meeresboden ziehen. Diese fangen jedoch große Mengen an ungewolltem Beifang ein und zerstören darüber hinaus wichtige Lebensräume für Lebewesen. Elektro-Netze könnten das ändern: Sie werden knapp über den Meeresboden gezogen und schonen dadurch den Meeresgrund. Außerdem verbrauchen Fischkutter mit elektronischen Netzen weniger Diesel, da sie geringere Gewichte ziehen müssen.

Und es ist tatsächlich so, dass – ähnlich wie bei dem Einsatz von Kettengeschirr – auch der Meeresboden tot zurückgelassen wird, weil alles vernichtet wird durch diesen elektrischen Impuls. – Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace

Kritiker warnen vor Überfischung

Die Methode hat nicht nur Befürworter. Zwar haben die Testläufe in Belgien und Holland gezeigt, dass Elektro-Fischfang deutlich effizienter als herkömmliche Methoden ist. Doch das könnte zu Überfischung führen, warnen Umweltschützer. Bisher hat eine gewisse Maschenweite dafür gesorgt, dass kleinere Fische durch das Netz schlüpfen können. Wenn nun ein elektrisches Feld Fische aller Art ins Netz lockt, ist die Sicherung des Bestandes ungewiss.

Die Entscheidung des Fischereiministerrats war in erster Linie wieder das, was wir schon so gut kennen – mit einem wirklich kurzfristigen Blick auf eine Profitmaximierung und mit einem kurzsichtigen Blick in Richtung Nachhaltigkeit. – Thilo Maack

Fische fangen mit elektronischen Netzen? Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer mit dem Meeresbiologen Thilo Maack gesprochen. Er arbeitet für Greenpeace und weiß mehr über die Vorteile und Risiken der Elektro-Fischerei.

Thilo Maack, Oceans campaigner Greenpeace Germany e.V..
Thilo Maack, Meeres-Kampaigner Greenpeace Deutschland e.V..Die Auswirkungen bei stärkerem Strom können absolut verheerend sein. Also es ist so, dass zum Beispiel Plattfische von diesem elektrischen Impuls sich so stark verkrümmen, dass ihre Wirbelsäule bricht. Und das passiert nicht nur bei Tieren die tatsächlich marktreife Größe haben, sondern das passiert bei allen Tieren, die in die Netze geraten.Thilo Maackerklärt die Folgen für den ungewollten Beifang bei der Elektro-Fischerei. 

Redaktion: Laura Almanza