Wissenschaftsrat kritisiert Nischen-Studiengänge

Schicke Verpackung, doch was steckt dahinter?

19.10.2015

Für den einen ist es ein Fluch, für den anderen ein Segen: In Deutschland gibt es rund 16.000 Studiengänge. Auf der Suche nach dem passenden kann man da leicht die Orientierung verlieren. Zudem gibt es immer mehr Nischen-Studiengänge, die mit schicken Namen locken. Der Wissenschaftsrat kritisiert diese Entwicklung und fordert die Hochschulen dazu auf, ein breiteres Wissen zu vermitteln.

In Deutschland gibt es immer mehr Studiengänge. Mit der Studiengangsuche des Hochschulkompasses kann man aus über 16.000 Studiengängen den passenden für sich finden. Doch das ist gar nicht so leicht. Immer häufiger locken Studiengänge mit schicken Titeln, bei denen man sich fragt, was da eigentlich auf einen zukommt.

Mehr Flexibilität

Der Wissenschaftsrat kritisiert diese Entwicklung. Er berät die Bundesregierung regelmäßig in Entwicklungsfragen der Hochschulen und der Wissenschaft. In einer Empfehlung, die am Montag veröffentlicht worden ist, fordert er die Universitäten dazu auf, den Schwerpunkt auf eine breitere Ausbildung zu legen.

Die Studierenden sollen so ausgebildet werden, dass sie sich flexibel auf dem Arbeitsmarkt bewegen können. – Dr. Bernhard Klingen, Referent in der Abteilung Tertiäre Bildung des Wissenschaftsrates

Wenn ein Studiengang nur auf den Einstieg in den Beruf ausgelegt ist, könne das später zu Problemen führen. Zwar sollen sich Hochschulen bei den Angeboten der Studiengänge am Arbeitsmarkt orientieren, aber auch dessen Wandel berücksichtigen, mahnt der Wissenschaftsrat. Wer einen spezialisierten Studiengang wähle, müsse immer auch damit rechnen, dass das Berufsprofil in einigen Jahren vielleicht nicht mehr gefragt ist. Wer hingegen breiter aufgestellt sei, habe dann die Chance, auf ein anderes Berufsfeld umzuschwenken.

Jeder vierte bricht ab

Zudem fordert der Rat mehr Transparenz von den Hochschulen. Denn oft würden die Studenten nicht ausreichend genug darüber aufgeklärt, was sie im ausgewählten Studiengang eigentlich erwartet.

Viele Studierende lassen sich anlocken von attraktiven Namen, aber was sich genau dahinter verbirgt, dass vielleicht auch ein paar Mathematik-Vorlesungen absolviert werden müssen, das ist den meisten nicht klar. – Dr. Bernhard Klingen

Wenn Erwartung und Realität dann miteinander kollidieren, kommt es oft zu Enttäuschungen. Für viele Studenten kommt dann nur noch ein Studienabbruch oder -wechsel in Frage.

Welche Qualitätsstandards ein Studiengang erfüllen sollte, darüber hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit Bernhard Klingen vom Wissenschaftsrat gesprochen.

Redaktion: Laura Zachmann