Grundel verdrängt andere Fischarten im Rhein

Invasion der Grundeln: Warum im Rhein einheimische Fischarten verschwinden

13.04.2016

Die Schwarzmund- und Kessler-Grundel taucht immer häufiger im Rhein auf und wird zum Problem für die heimische Fischfauna. Rückgängig machen kann man das wohl nicht mehr. Für manche Arten ist das Aufkommen aber sogar von Vorteil.

Grundeln sind eine der artenreichsten Gruppen unter den Fischen. Sage und schreibe 1.100 Arten sind ihnen zuzuordnen. Ihr Name rührt daher, dass sie hauptsächlich in Grundnähe leben. Im Gegensatz zu ihrer eigenen Vielfalt sind nun aber einige Vertreter der Flussgrundeln dafür verantwortlich, dass die Bestände heimischer Fischarten im Rhein bedroht sind. Denn sie haben sich mittlerweile über die Donau und den Main bis in den Rhein ausgebreitet.

Heimisch am Schwarzen Meer

Auf ihrer Reise durch die Flüsse Europas machen sie sich über den Laich anderer Fische her und verdrängen diese dadurch. Jedoch haben künstliche Schifffahrtswege wie der Rhein-Main-Donau-Kanal die Verbreitung begünstigt. Im Gegensatz zu anderen Arten, wie der Brasse, haben sie auch keine Probleme mit künstlich angelegten Uferbefestigungen: sie bevorzugen diesen Lebensraum sogar. Wie so oft trägt also der Mensch einen Großteil der Schuld an der Invasion.

Die Ursache ist, dass die eigentlich voneinander getrennten Flusssysteme von Rhein und Donau durch den Rhein-Main-Donau-Kanal verbunden wurden und somit neue Ausbreitungswege geschaffen wurden. – Stefan Staas, Rheinfischereigenossenschaft NRW.

Der eine geht, der andere kommt

Das räuberische Verhalten der Grundeln spielt natürlich auch eine Rolle. Bisher scheint kein Mittel gegen die Invasoren gewachsen. Gezielte Befischung, d. h. möglichst viele Grundeln zu angeln, führte zu keinem nennenswerten Erfolg. Die Population scheint sich zwar selbst zu regulieren, was aber auch zu keiner Erholung geführt hat. Die Schwarzmaul-Grundeln haben lediglich die vorherrschenden Kessler-Grundeln abgelöst.

Faktisch kann man da gar nicht eingreifen, sondern nur indirekt, indem man die Lebensräume den einheimischen Arten anpasst. – Stefan Staas

Größere Raubfischarten, wie der Zander, profitieren aber sogar von der Überpopulation, da sie im wahrsten Sinne des Wortes im Überangebot schwimmen. Wird das also zum Problem? detektor.fm-Moderatorin Astrid Wulf hat mit Dr. Stefan Staas, Geschäftsführer der Rheinfischereigenossenschaft über den Urpsrung des Problems und Lösungsansätze gesprochen.

Staas-1Die Grundeln sind erst seit 2008 nachgewiesen, waren aber sofort sehr massenhaft anzufinden. Der Prozess ist noch sehr dynamisch. Man kann noch nicht richtig absehen, wo sich das einpegeln wird.Dr. Stefan StaasGeschäftsführer der Rheinfischereigenossenschaft