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Foto: Katie Kirkland / shutterstock.com
Bild: Katie Kirkland | shutterstock.com

Zurück zum Thema | Milder Winter

16 Grad und Vogelzwitschern

Im Alltag ist ein milder Winter erstmal angenehm: Nicht mehr Kratzen, man friert nicht so. Doch welche Folgen hat das Ausbleiben der Kälte für Umwelt und Landwirtschaft?

Milder Winter irritiert die Umwelt

Der Januar 2020 war der Wärmste seit Beginn der verlässlichen Aufzeichnungen 1981. Ein milder Winter hört sich erst einmal schön an: Man friert nicht an den Ohren, kaum jemand muss mehr Autoscheiben kratzen und die Heizkosten sinken auch. Aber es ist eben nicht alles Gold, was glänzt: Die Auswirkungen für Natur und Landwirtschaft können verheerend sein.

Die seltenen und spezialisierten Lebensarten werden sich möglicherweise nicht so schnell anpassen können.

Sebastian Kolberg, Referent für Artenschutz beim NABU

Sebastian Kolberg, Referent für Artenschutz beim NABU

Problematisch wird der milde Winter vor allem dann, wenn es einen plötzlichen Kälteeinbruch gibt. Durch den warmen Winter beginnen die Pflanzen mit ihrer Frühjahrsroutine: Sie treiben aus, bilden Knospen, kommen an die Oberfläche. Kommt dann der plötzliche Frost, sterben Knospen und Triebe ab. Für Pflanzen ist das Sterben der Triebe zwar nicht das Ende, sie können auch ein zweites Mal austreiben. Dann aber wachsen sie gehemmter und weniger gut ausgeprägt. Und damit schließlich wird eine Kette von Ereignissen ausgelöst: Anderen Tieren fehlen Lebensmittel, es fehlt an Bestäubung.

Probleme für die Landwirtschaft

Aber nicht alle Pflanzen stecken den späten Kälteeinbruch dann noch so gut weg. Bei Obstbäumen zum Beispiel wäre es katastrophal, wenn die Blüten erfrieren. Denn der Baum würde dann erst im nächsten Jahr wieder blühen. Die Ernte wäre ruiniert.

Der Effekt von milden Wintern auf die Bodenbeschaffenheit ist nicht ganz so offensichtlich und dramatisch, wie zum Beispiel der Effekt von Trockenheit. Wir müssen hier eher eine Reihe von indirekten Effekten berücksichtigen.

Markus Reichstein, Direktor des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie

Markus Reichstein, Direktor des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie

Und: Schädlinge können sich leichter vermehren, weswegen die Bauern häufiger zu Pflanzenschutzmitteln greifen müssen, um ihren Bestand zu schützen. Ein weiteres Problem ist die Trockenheit: Es fällt auch viel weniger Niederschlag. Der Boden kann keine Wasserreserven aufbauen. Wenn dann auch noch – wie in den letzten beiden Jahren – der Sommer zu trocken wird, sieht es für die Ernten noch schlechter aus.

In der Landwirtschaft könnten Nährstoffverluste durch milde, feuchte Winter zunehmen.

Ralf Bloch, Leibniz-Zentrum für Agrarwirtschaftsforschung

Ralf Bloch, Leibniz-Zentrum für Agrarwirtschaftsforschung

Ob der milde Winter nicht auch positive Folgen für Natur und Menschen hat und ob sich langfristige Konsequenzen schon absehen lassen, damit beschäftigt sich detektor.fm-Moderatorin Eva Morlang in unserem Podcast. Sie spricht dafür mir drei Experten: Sebastian Kolberg vom NABU erklärt, was die milden Temperaturen für die Tierwelt bedeuten. Über die Auswirkungen auf die Böden und ihre Qualität weiß Markus Reichstein Bescheid, Direktor des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie. Was die Landwirtschaft unternehmen kann, um mit den ungewohnt milden Temperaturen umzugehen, darüber forscht Ralf Bloch am Leibniz-Zentrum für Agrarwirtschaftsforschung.