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Zurück zum Thema | Ungenaue Wettervorhersage

Warum ist die Wettervorhersage im Moment so ungenau?

Mit dem stark reduzierten Flugverkehr fällt die Qualität der Wetterprognose. Welche Alternativen stehen zur Verfügung, um zukünftig auf die Daten der Flugzeuge verzichten zu können?

Wetter ist nicht berechenbar

Über die ganze Erde verteilt messen aktuell 17 000 Wetterstationen die Daten, die es für die Wettervorhersage braucht. Dazu kommen Tausende Messfühler, die auf Flugzeugen und Handelsschiffen verteilt sind. Sie messen, damit eine genaue Wettervorhersage Gefahren, die durch extreme Wetterlagen entstehen können, früh genug kommunizieren kann. Durch den massiv eingeschränkten Flugverkehr gehen den Meteorologen und Meteorologinnen jetzt die Daten aus. Das wiederum führt zu drastischen Einbußen der Qualität unserer Wettervorhersagen. Jede minimale Veränderung in der Atmosphäre kann zu unterschiedlichen Wetterprozessen führen, weshalb ein breites Spektrum an aktuellen Daten vonnöten ist. Jetzt steht die Prognose-Qualität wieder auf dem Stand von vor 10 Jahren.

Über Europa gibt es praktisch nur noch 20 Prozent der vorher zur Verfügung gestellten Wetterbeobachtungen von Flugzeugen. Und das trifft natürlich die Wettervorhersage relativ stark.

Alexander Cress, Deutscher Wetterdienst

Abhängigkeit vom Flugverkehr

Eine Studie aus dem Jahr 2019 hat bereits prognostiziert, wie eine zwölfstündige Wettervorhersage auf der Nordhalbkugel ohne Flugverkehr aussehen würde. Heraus kam eine Verschlechterung der Qualität der Prognose von bis zu 15 Prozent. Doch ein wenig Hoffnung bleibt bestehen: Einen Großteil der fehlenden Werte soll nun der Satellit Aeolus von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA auffangen. Dieser ist im August 2018 ins All gestartet und zeichnet seither die Windprofile der Erde auf. Ersetzen kann er Flugzeuge aber noch lange nicht. Ihre Sensoren liefern wichtige Angaben über Temperaturen, Druck und Luftfeuchtigkeit.

Es gleicht nicht ganz den Verlust aus. Wetterdaten von Flugzeugen sind unglaublich wichtig, wir brauchen sie trotzdem. Die tragen stark dazu bei, dass wir vorhersagen können.

Florian Pappenberger, Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage

Florian Pappenberger, Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage

Müssen wir also warten, bis der Flugverkehr wieder los geht oder gibt es Möglichkeiten, mit denen die Wetterprognose zukünftig auf den Flugverkehr verzichten kann? Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Tina Küchenmeister mit Florian Pappenberger gesprochen, Chef am Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen. Alexander Cress vom Deutschen Wetterdienst erklärt, wie mit den fehlenden Daten umgegangen wird.