Anschläge | Wie die Menschen in Brüssel den Tag erlebt haben

Zwischen gespenstischer Stille und offenem Chaos

22.03.2016

Und wieder rollt eine Schockwelle über Europa. Nach Bombenanschlägen auf einen Flughafen und eine Metrostation in Brüssel wurde die Terrorwarnstufe in Belgien wieder auf das Maximum erhöht. Irgendwo zwischen Chaos und gespenstischer Stille muss sich die belgische Hauptstadt momentan bewegen. Doch wie haben die Menschen in Brüssel den heutigen Tag erlebt?

Am Dienstagmorgen, kurz vor acht Uhr, detonierten zwei Bomben am Flughafen Zaventem in Brüssel. Wenig später wurde auch aus der Metrostation Maelbeek, die mitten im Viertel vieler wichtiger EU-Institutionen liegt, eine Explosion gemeldet. Videos zeigen, mit welcher Wucht die Bomben explodiert sind. Nach aktuellem Stand (19 Uhr) sind bei den Anschlägen über 100 Menschen verletzt und rund 30 Personen getötet worden.

Brüssel und die allgegenwärtige Terrorangst

Wenig überraschend seien die Anschläge gewesen, meint der Regierungschef Charles Michel. Schon in den letzten Monaten war das öffentliche Leben in Brüssel erheblich eingeschränkt. Nach den Paris-Attentaten im November 2015 aktivierte das belgische Krisenzentrum die höchste Terrorwarnstufe für Brüssel. Nach sechs Tagen, in denen das öffentliche Leben still stand, senkte man die Terrorgefahr wieder eine Stufe ab.

thomas.otto.privatDie Polizei und das Militär sind allgegenwärtig. Der einzige Unterschied war, dass man noch mehr Polizei und noch mehr Militär gesehen hat. Es ist auch der Beweis, dass all diese Sicherheitsvorkehrungen eigentlich überhaupt nichts bringen. Thomas Ottoist Auslandskorrespondent in Brüssel für den Deutschlandfunk und das Deutschlandradio.  

Doch die Lage war weiterhin angespannt. Nach mehreren Anti-Terror-Razzien in den letzten zwei Wochen konnte am vergangenen Freitag einer der mutmaßlichen Haupttäter der Paris-Attentate, Salah Abdeslam, im Stadteil Molenbeek festgenommen werden. Inwieweit die Festnahme Abdeslams mit den Anschlägen zusammenhängt, ist bislang nicht bekannt. Jedoch hat Abdeslam angedeutet, einen Anschlag in Brüssel geplant zu haben.

Ein schwarzer Tag für Europa

Nach den schockierenden Nachrichten aus Brüssel haben viele europäische Länder ihre Sicherheitsvorkehrungen intensiviert. Auch Brüssel hat die Schutzmaßnahmen erhöht. Immer noch sind mutmaßliche Attentäter auf der Flucht und könnten weitere Anschläge verüben.

Die nächsten Tage wird Belgien um die Opfer der Anschläge trauern. Danach muss man auf europäischer Ebene erneut nach Antworten und Lösungen suchen. So haben unter anderem der französische Regierungschef Francois Hollande und die Kanzlerin Angela Merkel ihre Solidarität ausgedrückt und Unterstützung beim Kampf gegen den Terror angeboten.

In Brüssel selbst normalisiert sich das Leben allmählich wieder. Erste Züge und U-Bahnen sind bereits wieder in Betrieb genommen worden.

detektor.fm-Moderatorin Doris Hellpoldt hat über die Anschläge in Brüssel mit Phillip Kamper und Thomas Otto gesprochen. Beide leben und arbeiten in der belgischen Hauptstadt.

phillip kamper privat (1)Ich bin überrascht, dass in den Medien von so einer gespenstischen Stille die Rede ist. Denn es sind Menschen und Autos auf der Straße. Es ist eher eine solidarische Stimmung. Es ist viel Hilfsbereitschaft da.Philipp Kamperarbeitet für die Sozialdemokratische Partei Europas in Brüssel. 

Redaktion: Johanna Siegemund