Nach der Familiensynode in Rom

Hinter den Schlagzeilen: die Lehre der Katholischen Kirche zu Homosexualität

20.10.2014

Eben ist die Familiensynode der katholischen Kirche zu Ende gegangen. Erst hatte es nach einer Öffnung in Richtung Homosexueller und Geschiedener ausgesehen. Im Abschlussdokument aber wurden die Themen weitgehend ausgespart - und die offizielle Lehrmeinung ist alles andere als offen.

Familiensynode im Vatikan

Papst Franziskus hat Erzbischöfe, Kardinäle und Experten dazu aufgerufen, über die katholische Lehre und ihre Gültigkeit für die moderne Familie zu beraten. Denn eine 2013 in alle Bistümer verschickte Umfrage hat ergeben, dass katholische Lehre und Lebenswirklichkeit der Gläubigen oftmals auseinandergehen.

Vor allem die Themen Homosexualität und der Umgang mit Geschiedenen haben für Diskussionen gesorgt. In einem Zwischenbericht ist gleichgeschlechtlich Liebenden noch zugestanden worden, die katholische Kirche zu bereichern. Die Süddeutsche Zeitung hat von „Realitätsschüben für die Kirche“ gesprochen, David Berger ist hier bei detektor.fm weniger optimistisch gewesen.

Abschlussdokument revidiert Zwischenbericht

Das Abschlussdokument der Familiensynode beweist, dass sich die ca. 200 Bischöfe nicht zu einer gemeinsamen Linie durchringen konnten. Das Thema Homosexualität wird darin nicht mehr erwähnt, auch der heiß diskutierte Umgang mit Geschiedenen kommt nur am Rande und ohne Einordnung zur Sprache.

Zuvor hatte es Versuche gegeben, im Zusammenhang mit Homosexualität unter anderem von „Mitleid“ zu sprechen. Damit hätten sich die Konservativen durchgesetzt und eine Passage aus dem Katechismus von 1997 bzw. 2002 übernommen.

Warum die Themen letztendlich auf eine Synode 2015 vertagt worden sind und wie die aktuelle Lehrmeinung der katholischen Kirche dazu ist, darüber haben wir mit Helmut Hoping, Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg, gesprochen.

helmuthopingEs geht um die Frage, wie man homosexuelle Partnerschaften moraltheologisch zu bewerten hat, wo diese Partnerschaft auch durch eine gelebte, gleichgeschlechtliche Sexualität bestimmt ist. [...] Die Veranlagung als sündhaft zu qualifizieren ist nicht Lehre der Kirche.Prof. Dr. Helmut HopingProfessor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg