Tabu-Thema Menstruation: Kommt die reduzierte „Tampon-Steuer“?

Draufzahlen für Damenhygiene?

26.04.2016

Jede Frau hat sie monatlich drei bis sieben Tage lang, rund 444 Mal im Leben: die Regelblutung. Dennoch zahlen wir in Deutschland 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Tampons und Binden, in vielen Ländern gibt es für diese vermeintlichen "Luxusartikel" sogar einen zusätzlichen Aufschlag. Die Kampagne "Blood Ties" macht auf das Tabu-Thema aufmerksam und fordert, die "Tampon-Steuer" zu senken.

Durch den ermäßigten Steuersatz sollen seit 1968 Gering-Verdiener entlastet werden – und zwar bei Gütern des täglichen Gebrauchs. Deshalb werden seitdem zum Beispiel Getreide, Salz, verschiedenste Obst- und Gemüsesorten, Fleisch und Fisch in Deutschland mit nur 7 Prozent versteuert. Aber auch Kaviar und Schokolade können wir zum ermäßigten Satz genießen, über deren Lebensnotwendigkeit sich wohl streiten lässt. Ungerecht erscheint diese Verteilung aber, wenn wir für Windeln und Mineralwasser draufzahlen – und eben auch für Damenhygieneartikel.

Internationale Empörung über die „Tampon-Steuer“

Richtig Fahrt aufgenommen hat die Debatte zur Tampon-Steuer im letzten Jahr nach der ersten erfolgreichen Aktion in Kanada, wo Damenhygieneartikel nun gar nicht mehr versteuert werden müssen. Auch in den USA begann man sich zu fragen, wer sich diese scheinbare Unsinnigkeit ausgedacht hat. „Ich vermute, […] dass Männer diese Gesetze gemacht haben“, scherzte Obama im Interview mit einer US-Aktivistin im Januar.

Schon beim EU-Gipfel 2015 setzte David Cameron eine Abschaffung der Tampon-Steuer durch, wonach alle europäischen Mitgliedstaaten nun die Möglichkeit haben, die Mehrwertsteuersätze für Hygieneprodukte auf Null festzulegen. Bei unseren französischen Nachbarn hat die Bewegung bereits eine Senkung auf 5,5 Prozent erreicht.

Frauen motivieren und mobilisieren für etwas einzustehen, das nur sie betrifft.

Aktivistin Penelope KemekenidouPenelope Kemekenidouist Feminismus-Aktivistin und fordert die Senkung der "Tampon-Steuer" auf 7%. 

Den Unterstützern von Kampagnen wie „Blood Ties“ geht es weniger darum, Geld zu sparen, als um die Symbolkraft der Steuer. Über die Hälfte der Weltbevölkerung beschäftigt sich in ihrem Leben monatlich mit der Regelblutung. Dennoch ist es in vielen Ländern alltäglich, dass Mädchen während ihrer Periode nicht zur Schule gehen – aus Scham, mit einem blutverschmierten Rock aufzutauchen, weil in diesen Ländern keine Versorgung mit Frauenhygieneartikeln gewährleistet ist.

In Europa haben wir freien Zugang zu diesen Produkten, müssen aber dennoch in fast jedem Land draufzahlen: Selbst umweltfreundliche Alternativprodukte wie Menstruationstassen bekommen den normalen Umsatzaufschlag verpasst.

Die Gründerin der Kampagne „Blood Ties“, Feminismus-Aktivistin Penelope Kemekenidou, möchte auf das Tabu-Thema der Menstruation im globalen Kontext aufmerksam machen. Sie sammelt mit ihrer Petition „Tampontax“ Unterschriften für die Herabsetzung auf den ermäßigten Steuersatz und wendet sich damit an die Bundesregierung. Wie Penelope Kemekenidou auf die Problematik aufmerksam geworden ist und ob wir es dabei mit einem Sexismusproblem zu tun haben, erklärt sie im Interview.

Hinweis: Wir bitten die schlechte Audioqualität des Gesprächs zu entschuldigen.

Redaktion: Anna-Lena Stumpf