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Bild: DOK Leipzig | Presse

DOK Leipzig 2019 | „Village of Women“ und „Guaicurus Street“

Von weiblichen Schicksalsgemeinschaften

In Armenien gibt es Ortschaften, in denen fast nur Frauen leben. Die Regisseurin Tamara Stepanyan hat eines dieser Dörfer besucht und ihre Beobachtungen in „Village of Women“ filmisch dokumentiert. Mit dem Zusammenleben von Frauen unter schwierigen Umständen befasst sich auch der Regisseur Joao Borges in seinem Film „Guaicurus Street“. Er gewährt damit einen intimen Einblick in das Rotlichtmilieu von Belo Horizonte.

„Village of Women“: Gelebtes Matriarchat?

In dem armenischen Dorf Lichk leben fast nur Frauen. Ihre Ehemänner, Söhne und Väter leben fast das ganze Jahr in Russland, um dort zu arbeiten. Nach neun Monaten kehren sie für einige Wochen zurück und verbringen die Wintermonate in ihrer Heimat, bis im Frühling der ewige Kreislauf von vorn beginnt. Die Frauen arrangieren sich damit, es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Die Abwesenheit der männlichen Dorfbewohner nehmen sie wie ein Naturphänomen hin. Sie kümmern sich nicht nur, wie im patriarchalisch geprägten Armenien üblich, um den Haushalt und die Erziehung der Kinder, sondern halten das Dorfleben am Laufen – mit all seinen Arbeitslasten. Sie sind außerdem Mutter, Schwester oder Tante, übernehmen aber auch die Rolle des Vaters, Bruders oder Großvaters.

Die armenische Regisseurin Tamara Stepanyan ist in dieses Dorf gereist und hat das Zusammenleben ein Jahr lang dokumentiert. Sie gewährt in „Village of Women“ einen bildgewaltigen, intimen und dennoch unaufgeregten Einblick in eine weibliche Schicksalsgemeinschaft.

„Guaicurus Street“: Zwischen Fiktion und Dokumentation

In „Guaicurus Street“ des brasilianischen Regisseurs João Borges verschwimmen systematisch die Grenzen zwischen Spiel- und Dokumentarfilm. Im Mittelpunkt seines Werkes steht auch eine weibliche Schicksalsgemeinschaft: die Sexarbeiterinnen eines Bordells im Rotlichtviertel von Belo Horizonte. Borges bildet den Alltag der Sexarbeiterinnen in all seinen Facetten ab. Es sind Sexszenen zu sehen und Gespräche mit Kunden zu hören. Doch der Film lebt nicht von diesen oft gezeigten Elendsbildern, sondern von beeindruckenden Aufnahmen außerhalb des „Tagesgeschäfts“.

Der Regisseur greift dabei primär auf dokumentarische Mittel zurück, bedient sich aber auch fiktionaler Elemente. So sind einige Protagonisten des Films professionelle Schauspieler, manche Szenen sind mehrfach abgedreht worden und der gesamte Film basiert auf einem Drehbuch. Zudem beruhen einige Dialoge auf einem Skript, das João Borges in enger Zusammenarbeit mit den Sexarbeiterinnen geschrieben hat.

Über „Village of Women“ und „Guacurus Street“ diskutieren die detektor.fm-Moderatoren Jonas Junack und Oliver Haupt. Außerdem spricht Tamara Stepanyan über die Dreharbeiten in Lichk und João Borges über die schwierige Umsetzung eines hybriden Films an der Schnittstelle von Dokumentation und Fiktion.

Redaktion: Jonas Junack und Oliver Haupt


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