Kino 2014: Der Jahresrückblick auf das Kinojahr

Das Kinojahr 2014 - Die besten Filme des Jahres

10.01.2015

Unsere Kinoredaktion schaut zurück auf das Kinojahr 2014. Was sind die Höhepunkte gewesen? Hat das Kino im vergangenen Jahr für Kinogänger Überraschungen bereit gehalten? Welche Filme sollte man denn unbedingt gesehen haben?

Kino 2014: Der Rückblick auf das cineastische Jahr

Mittlerweile ist es eine Tradition: Unsere drei Kinoredakteure Anna Wollner, Patrick Wellinski und Andreas Kötzing blicken zurück auf das Filmjahr 2014. War das Kino 2014 besonders bemerkenswert? Was sind die Filme, die man unbedingt gesehen haben sollte?

Die drei Cineasten sprechen über ihre persönlichen Lieblinge und ziehen Verbindungen zu anderen Filmen dieses Jahres. Dabei ist eine spannende Diskussion entstanden, die aber natürlich nicht vollständig sein kann. Eine lobende Erwähnung von zumindest einem unserer Kinoredakteure bekommen zum Beispiel: Night Moves, Guardians of the Galaxy, Winterschlaf und Mr. Turner.

  • Boyhood |Universal Pictures
  • Can a song save your life? | Studiocanal
  • Die geliebten Schwestern | Senator Filmverleih
  • Ida | Arsenal Filmverleih
  • Nymphomaniac | Christian Geisnaes - Concorde Filmverleih
  • Snowpiercer | Copyright MFA
  • Under the Skin | Senator Filmverleih
  • No turning back | Studiocanal
  • Wolf of WallStreet | Universal Pictures
  • Das Verschwinden der Eleanor Rigby | Prokino

Snowpiercer

Nach einem missglückten Versuch, die Erderwärmung zu stoppen, bricht im Jahr 2031 auf der Welt eine neue Eiszeit aus. Die einzigen Überlebenden reisen mit einem Zug, dem “Snowpiercer”, durch die vereiste Landschaft. Innerhalb des Zuges gibt es allerdings eine klare Hierarchie: vorn sitzen die Reichen bei Champagner und Kaviar und im hinteren Zugteil sind die restlichen Menschen in Gefängniswagen zusammengepfercht. Im Jahresrhythmus fahren sie um den Globus, angetrieben von einem Perpetuum mobile. Als Curtis (Chris Evans) erkennt, dass die Waffen der Bewacher nicht geladen sind, führt er mit seinem Freund Edgar (Jamie Bell) die Revolution an, um die Macht über den Zug zu erlangen.

Snowpiercer | Copyright MFA + Film Distribution e.K.Stars, gute Unterhaltung, intelligente Story. - Patrick Wellinski
Davon hätte sich jeder Hollywood Blockbuster eine Scheibe abschneiden können. - Anna Wollner
Snowpiercer | MFA + Film Distribution e.K.  

No turning back

Tom Hanks hat es in “Cast Away” bereits vorgemacht – es folgten u.a. James Franco in “127 Hours” und vor kurzem Robert Redford in “All Is Lost”: das “Ein-Mann-Kinodrama” kann sehr gut funktionieren.  Tom Hardy spielt im Film “No Turning Back” den Betonbauer Ivan Locke, der während einer Autofahrt von Birmingham nach London seine komplette Existenz aufs Spiel setzt.

Das Ganze ist auch produktionsästhetisch spannend: denn der Film von Regisseur Steven Knight ist in Echtzeit gedreht und zeigt ausschließlich Tom Hardy. Andere Personen kommen lediglich als Stimme am Telefon vor. Den Trailer von „No Turning back“ bietet eine Einstimmung auf die Atmosphäre des Films.

No turning back | StudiocanalTom Hardy: Ein Mann, ein Auto, ein Telefon. - Andreas KötzingNo turning back | Studiocanal 


The Wolf of Wall Street

DVD-Cover

Leonardo di Caprio glänzt auch dieses Mal wieder à la “Catch me if you can”. Dieses Mal spielt er einen Finanzhai – oder sollte man sagen, Finanzwolf?

Volle drei Stunden lang kann man in “The Wolf of Wall Street” zuschauen, wie sich der Broker zudröhnt und verwöhnen lässt. Eine wahre Geschichte, übrigens.

Wolf of WallStreet | Universal PicturesLeonardo di Caprio in der Rolle seines Lebens. [...] Jonah Hill fast als bester Nebendarsteller Hollywoods. - Anna WollnerThe Wolf of Wall Street | Universal Pictures  

Ida

Als „polnischen Film des Jahres“ bezeichnet Patrick Wellinski den Film „Ida“. Beeindruckend sei die Hauptdarstellerin Agata Trzebuchowska, die als Laie ihr Schauspieldebüt in „Ida“ gibt. Paweł Pawlikowski, der sich bereits in England mit Filmen wie „Last Resort“ (2000) und „My Summer of Love“ (2004) einen Namen gemacht hat, hat das Drehbuch zu seinem Film selbst geschrieben.

Ida | Arsenal FilmverleihEin sehr europäischer Film [...], eine der Überraschungen dieses Kinojahres. - Patrick WellinskiIda | Concorde Filmverleih 


Das Verschwinden der Eleanor Rigby

Es kommt immer wieder vor, dass Menschen verschwinden. Manchmal gehen sie kurz und kommen wieder. Manchmal bleiben sie länger weg. Und manchmal für immer. Eleanor Rigby, gespielt von Jessica Chastain, verlässt eine Beziehung, ohne selbst zu wissen, wohin es sie zieht. Ihr zurückgelassener Freund Connor (James McAvoy) reagiert hilflos.

Der Film zeigt in eindrucksvollen Bildern, wie eine Beziehung scheitern kann. Dabei ermöglicht er dem Zuschauer, die Perspektiven zu wechseln. Der Film wird sowohl aus Sicht von Eleanor als auch aus der ihres Partners Connor erzählt.

Das Verschwinden der Eleanor Rigby | ProkinoEine der schönsten Geschichten über die Liebe, [...] die es in den letzten Jahren gegeben hat. - Anna WollnerDas Verschwinden der Eleanor Rigby | Prokino 

Deutsches Kino – Zum Beispiel: Die geliebten Schwestern

Der neue Film von Dominik Graf ist Anfang des vergangenen Jahres im Wettbewerb um den Goldenen Bären gelaufen. Jetzt kommt er in einer gestrafften Version in die deutschen Kinos. Die zwei Schwestern Caroline von Beulwitz (Hanna Herzsprung) und Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius) gehen im Sommer 1788 eine Liebesbeziehung mit dem jungen Friedrich Schiller ein. Der Film erinnert in seinem Erzähltempo an einen Liebesbrief, der mit der Postkutsche quer durchs Land befördert wird. Die Geschichte über die Sturm- und Drangphase des großen Dichters zieht den Kinobesucher in ihren Bann, nicht zuletzt wegen der großartigen Kostüme.

Die geliebten Schwestern | Senator FilmverleihLosgelöst von allen Klischees sind wir nah an den Emotionen der Figuren dran. - Andreas Kötzing Das Deutsche Kino - z. B. Die geliebten Schwestern | Senator Filmverleih 

Under the Skin

Erst sollte dieser Film dem deutschen Publikum nicht gezeigt werden, da sich kein Film-Verleih fand. Doch dank einer Initiative von deutschen Cineasten ist er doch noch in die deutschen Kinos gekommen. Senator-Filmverleih hat sich darum gekümmert. Glücklicherweise denn dieser Science-Fiction-Film von Jonathan Glazer ist eine wirkliche Augenweide.

Scarlett Johansson spielt hier ein Alien im Körper eines Menschen, das sich auf Männerjagd macht. Ohne ein Wort zu sprechen, zieht sie die Männer und Kinozuschauer in ihren Bann und wirft ähnlich wie in dem Film „Her“, in dem sie einem körperlosen „operating System“ ihre Stimme leiht, Fragen zur Körperlichkeit und Anziehung auf.

Under the Skin | Senator FilmverleihDer beste Andrej Tarkowski-Film, den Andrej Tarkowski nie gedreht hat. - Andreas Kötzing
Jonathan Glazer denkt Science-Fiction-Kino konsequent weiter. - Patrick Wellinski
Under the Skin | Senator Filmverleih 


Nymphomaniac

Lust, Leiden und Begierde – das sind die Themen in Lars von Triers neuem Werk. Wieder spielt die attraktive Charlotte Gainsbourg eine Hauptrolle in einem seiner Filme – diesmal als sexabhängige Joe, die von ihren Sünden erzählt. Aber lohnt sich der Kinogang für diese Reise der Lüste?

Gainsbourgh spielt eine gebrochene Frau, die unter ihrem exzessiven und zwanghaften Sexualverhalten leidet. Sex ist für sie fast schon eine Religion. Nach einer Schlägerei wird Joe von einem älteren Mann namens Seligman gerettet. Dieser findet sie in einem Hinterhof und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Dort erzählt sie ihm von der sexuellen Odyssee ihres Lebens. Diese wird bildgewaltig in Rückblicken dargestellt, gespickt mit vielen sexuellen Ausschweifungen.

Nymphomaniac | Concorde FilmverleihFür mich einer der absolut sehenswertesten Filme des letzten Jahres. - Andreas Kötzing
Die Bilder sind sehr wuchtig. Entweder du stehst auf und gehst oder du lässt es über dich ergehen. - Patrick Wellinski
Nymphomaniac | Concorde Filmverleih 

Boyhood

Wenn an einem Film zwölf Jahre gearbeitet wird, dann zeigt allein diese Tatsache: hierbei handelt es sich vermutlich um großes Kino. „Boyhood“ erfüllt diese Erwartung – und ist dabei doch nichts anderes, als das echte Leben.

Auf der diesjährigen Berlinale gab es einen Film, bei dem sich fast alle Kritiker einig waren, dass er – und zwar nur er – allein für den ‚Goldenen Bären’ in Frage kam: Richard Linklaters Langzeitfilmprojekt „Boyhood“. Aber wie das manchmal so ist bei Filmfestivals: Der Film bekam die Auszeichnung am Ende nicht, sondern “lediglich” einen ‚Silberner Bären’ für die Beste Regie. Hauptpreis hin oder her: Den Erfolg von „Boyhood“ schmälert die umstrittene Juryentscheidung kaum.

Boyhood |Universal PicturesEr erzählt eigentlich alles und nichts. Er erzählt aus dem ganz normalen Leben eines ganz normalen Heranwachsenden und hat damit das geschaffen, was das Kino selten schafft: Eine ganz normale Geschichte erzählen. - Anna WollnerBoyhood | Universal Pictures Germany 


Persönliche Lieblingsfilme – Zum Beispiel: Can a song save your life?

Die Musikromanze mit Keira Knightley klingt kitschiger, als sie tatsächlich ist. Die junge Sängerin Gretta (Keira Knightley) kommt mit ihrem erfolgreichen Freund, einem Sänger, nach New York, aber er lässt sie nach dem großen Erfolg für seine Beraterin sitzen.

Der Musikproduzent Dan (Mark Ruffalo) hat seine besten Jahre bereits hinter sich und sitzt in einer dunklen Kellerkneipe, als er Gretta mit ihrer Gitarre auf der Bühne entdeckt. Sofort erkennt er ihr Talent und die zwei schmieden einen Plan, auch ohne großes Plattenlabel Musik zu machen. New York im Sommer, Musik mitten in der Großstadt und ein Knistern in der Luft – ein schöner Film für den Spätsommer.

Der Film stammt übrigens von John Carney, der 2006 mit “Once” bereits einen sehr erfolgreichen Musikfilm gemacht hat.

Can a song save your life? | StudiocanalCan a song save your life?: Guilty-Pleasure [...]. So ne Wohlfühl-Independent-Hipster-New York-Feelgood-Liebesschnulze. - Anna WollnerDie persönlichen Lieblingsfilme - z. B. Can a song save your life? | Studiocanal