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In der Schule sollen Kinder ihre Berufung und ihre Fähigkeiten entdecken, ohne dass auf den religiösen Hintergrund geachtet werde, fordert Necla Kelek. Foto: Kati Zubek | detektor.fm

N99 | Necla Kelek über Familie und Islamkritik

„Wegschauen stört mich“

In „Die unheilige Familie“ bricht Necla Kelek mit Tabus islamischer Familienstrukturen. Im Interview erklärt sie, weshalb diese Strukturen sowohl für Männer als auch für Frauen und Kinder Gewalt bedeuten.

Necla Keleks Islamkritik

Necla Kelek wird 1957 in Istanbul geboren. Nach einer Ausbildung als technische Zeichnerin studiert sie ab 1979 Soziologie und Volkswirtschaftslehre in Hamburg. Anschließend promoviert Kelek 2001 an den Universitäten Greifswald und Hamburg zur Bedeutung islamischer Religiosität für türkische Schülerinnen und Schüler. Ab 1999 arbeitet sie als Lehrbeauftragte für Migrationssoziologie und berät verschiedene Institutionen. Keleks Arbeiten sind mehrfach ausgezeichnet worden. Seit 2014 ist sie außerdem Vorstandsmitglied des Vereins Terre des Femmes. Mit „Die unheilige Familie“ veröffentlicht Kelek ihr insgesamt achtes Buch. Ihre Islamkritik wird kontrovers diskutiert.

Es ist ein universelles Menschenrecht zu entscheiden, mit wem oder ob ich meinen Körper teilen möchte. Dabei kulturelle Unterschiede zu machen oder zu diskutieren, was zum Beispiel unter Sexualität verstanden wird, ist für mich eine Form der Diskriminierung. – Necla Kelek, Soziologin und Schriftstellerin

„Die unheilige Familie“ – worum geht’s?

Die bekannte Soziologin, Frauenrechtlerin und Bestseller-Autorin Necla Kelek warnt in ihrem neuen Debattenbuch: Muslimische Frauen erleiden Unrecht inmitten unserer modernen Gesellschaft. Gefangen in der islamischen Familien-Tradition, können sie ihre Grundrechte nicht wahrnehmen, ihre Kinder sind dem Patriarchat ausgeliefert. Kelek fordert einen politischen Neuansatz, um echte Integration zu fördern und eine Parallelgesellschaft in Deutschland zu vermeiden. Während die Mehrheitsgesellschaft mit „Ehe für alle“ und „Familie im Wandel“ beschäftigt ist, bleibt im Verborgenen, was mit den Frauen und Kindern in der islamischen Gemeinschaft passiert: Sie sind dem Zwang in der Familie ausgeliefert und dort eingesperrt.

Die engagierte Soziologin Necla Kelek entlarvt dieses Familien-Tabu. Sie beschreibt, wie es dazu kam, dass Frauen Beute der Männer wurden und Kinder dem Patriarchat preisgegeben sind, aber auch, warum selbst muslimische Männer Opfer dieser Gewaltstrukturen sind. Sie zeigt auf, wie unser Pochen auf kulturelle Unterschiede und eine ideologisierte Politik die Integration verhindern, und was konkret geschehen muss, damit islamische Frauen und Kinder rechtlich gestärkt werden. Denn: An den Rechten der Schwachen misst sich die Demokratie. – Droemer Knaur

Über ihre Islamkritik und was geschehen muss, damit islamische Frauen und Kinder rechtlich gestärkt werden, spricht Necla Kelek mit detektor.fm-Moderator Philipp Weimar.


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