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Stewart O’Nan auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: Kati Zubek | detektor.fm
Bild: Kati Zubek | detektor.fm

N99 | Stewart O’Nan über „Henry, persönlich“

„I can’t write anybody’s story“

Die Dramatik des Banalen darzustellen, ist eine Spezialität des Schriftstellers Stewart O’Nan. Was ihm schon mit seinem Bestseller „Emily, allein“ gelungen ist, setzt er nun mit „Henry, persönlich“ fort: Den unspektakulären Alltag eines Ehepaares im Ruhestand spektakulär auszuloten.

Der Wortingenieur

Stewart O’Nan wird 1961 in Pittsburgh geboren. Er studiert zunächst Luft-und Raumfahrttechnik in Boston und arbeitet anschließend als Flugzeugingenieur in New York. Getrieben vom Wunsch Schriftsteller zu werden, schreibt sich O’Nan nach vier Jahren Ingenieursarbeit ein zweites Mal an der Uni ein – dieses Mal für Literaturwissenschaft. Schnell macht er sich einen Namen als Autor und erregt vor allem mit seiner ersten Kurzgeschichten-Sammlung „In the Walled City“ Aufmerksamkeit. Mittlerweile lebt er wieder an seinem Geburtsort Pittsburgh und schreibt Romane und Erzählungen. Sein schriftstellerisches Schaffen wird dabei auch durch seine Erfahrungen als Ingenieur geprägt.

I learned writing the way an engineer would. Which is learning the components and seeing how they work, seeing how the different components fit together, what different effects can be done with different form, different structure, different language. – Stewart O’Nan

„Henry, persönlich“ – worum geht’s?

Stewart O’Nan zeigt sich als ein Meister darin, das Leben eines gar nicht so besonderen Mannes und Ehemannes auf eine zärtliche, einfühlsame Weise zu beschreiben.
Seit fast fünfzig Jahren ist Henry Maxwell verheiratet – mit Emily, die wir schon aus O’Nans hinreißendem Bestseller „Emily, allein“ kennen. Da ist sie achtzig und schon Jahre verwitwet, führt in ihrem schönen, überschaubaren Routine-Universum ein ziemlich gleichförmiges Leben, allein mit Rufus, ihrem Hund. Nun hat O’Nan die Zeit zurückgedreht und Henry, dem Ehemann, ein eigenes Buch gewidmet, vielmehr ihm und Emily als Ehepaar. Die beiden leben in Pittsburgh, und ihre Kinder und Enkel sind weit entfernt. Emily kocht, und Henry macht den Abwasch, sie hält die Kontakte zu Nachbarn und Familie, und wenn sie ihm davon erzählt, hört er ihr immer gerne zu. Er steht an seiner Werkbank und repariert, was im Haus kaputt geht, trifft sich mit Freunden zum Golfen, engagiert sich im Kirchenvorstand und lädt – zu besonderen Anlässen – Emily zu Restaurantbesuchen ein. Ein mit viel Puderzucker bestreuter Zitronenkuchen macht ihn glücklich, erfüllt ihn mit Wohlwollen gegenüber der ganzen Welt. „Henry persönlich“ ist das Porträt eines liebenswert-verschrobenen Mannes, der am Ende seines Lebens erkennt, dass das Alter nicht etwa eine Sackgasse, sondern voller Überraschungen ist. – Rowohlt

detektor.fm-Moderator Christian Erll spricht mit Stewart O’Nan über seinen neuen Roman „Henry, persönlich“ und über die Unterschiede zwischen der Arbeit als Ingenieur und als Schriftsteller.


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