The Who – 50 Jahre „My Generation“

Kunst und Provokation

03.12.2015

Heute vor 50 Jahren ist "My Generation" von The Who erschienen. Das Album gilt als ein Meilenstein des Pop. Zum Jubiläum wagen wir einen Blick auf die Geschichte von The Who – einer Band, die wie keine andere ihrer Zeit jugendliche Wut und künstlerischen Anspruch verbunden hat.

Auch mit den Flaggen wollten The Who provozieren. Es gehe darum, sie zu "entweihen", sagte Pete Townshend in Interviews. | Foto: Philippe Le Tellier/Paris Match

Ben Marshall - The Who 50

The Who 50

Ben Marshall

(Prestel Verlag, bereits erschienen)

Das komplette einstündige Spezial „The Who – 50 Jahre My Generation“ läuft heute um 18.00 Uhr im Wortstream.

„My Generation“ von The Who gilt als eines der wichtigsten Alben der Sechziger. „The Kids Are Alright“, „Out In The Street“ und vor allem der Titeltrack „My Generation“ gelten als stilprägend für die weitere Entwicklung der Rockmusik. Man sagt, The Who hätten den Punkrock erfunden – aber auch die Rockoper und den Stadionrock. Um zum Mythos The Who ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir mit Ben Marshall gesprochen, seines Zeichens Rockjournalist und Autor der The-Who-Biographie „The Who 50 – Die offizielle Bandgeschichte“.

Wir schauen uns die Geschichte der Band von ihren Anfängen im London der frühen Sechziger bis hin zum plötzlichen Tod von Schlagzeuger Keith Moon im Jahr 1978 an. Dabei betrachten wir auch die sozialen und kulturellen Hintergründe, denn The Who haben sich auch als Spiegel ihrer Zeit begriffen.

  • Vor 50 Jahren, am 3. Dezember 1965, ist 'My Generation' erschienen, das Debütalbum von The Who. Die Geschichte der Band beginnt im England der frühen sechziger Jahre. Foto: The Visualeyes Archive
  • Im April 1966 erscheint das Album auch in den USA unter dem Titel 'The Who Sings My Generation'. Das Cover-Artwork der US-Version zeigt The Who vor dem Big Ben. Foto: David Wedgbury
  • Rebellion, Kunst und Pop vermischt wie keine andere Band ihrer Zeit. Hier posieren sie in einem Plattenladen im Shepard's Bush Market. Der erste Termin für Werbefotos überhaupt, der von ihrer Plattenfirma organisiert wurde. Foto: Colin Jones
  • Die Aufnahmen zu 'My Generation' passieren so schnell und billig wie möglich, teilweise wird die Band durch Studiomusiker ersetzt. Mit dem Ergebnis sind The Who nicht wirklich zufrieden. Die Musikjournalisten heute sind da gnädiger. 'My Generation' gilt als eines der wichtigsten Alben der Popgeschichte. Foto: David Wedgbury
  • Der gewiefte Manager Pete Meaden verpasst The Who in der Anfangsphase ein neues Image. Plötzlich sind sie gut gekleidete Mods. Die Mods sind eine Jugendbewegung, die Ende der fünfziger Jahre entstanden ist. Sie mischen wirklich fanatisches Modeinteresse mit Begeisterung für intellektuelle europäische Kunst. Darum nennen sie sich Modernists, später einfach nur Mods. Hier fönt sich The-Who-Sänger Roger Daltrey die Haare - Locken waren unter Mods verpönt. Foto: Colin Jones
  • Keith Moons einzigartiger Schlagzeugstil hat den Sound von The Who geprägt. Er stirbt 1978 im Alter von 32 Jahren an einer Überdosis Heminevrin – das Medikament, mit dem er sich eigentlich seine Alkoholsucht abgewöhnen wollte. Das Foto zeigt den letzten Auftritt von Keith Moon bei einem privat veranstalteten Nachmittagskonzert. Foto: Kevin Stein
  • 1982 löst die Band sich auf. Die Wiedervereinigung folgt 1996.  The Who spielen noch immer live, wie hier bei einem Konzert im Jahr 2012. Und Pete Townshend macht auch mit 60 noch Luftsprünge. Foto: Larry Busacca/Clear Channel

In seinen Songs hat Pete Townshend, der Kopf der Band, immer auch Zeitgeist-Themen aufgegriffen und kritisch betrachtet. The Who haben im Laufe ihrer Karriere über Mods, Hippies, die Kommerzialisierung der Rockmusik und spirituelle Erleuchtung gesungen, sich aber nie auf eine Ideologie oder Subkultur festlegen lassen. Ben Marshall bezeichnet The Who in seiner Bandbiographie als „Meta-Band“.

Was nach fünfzig Jahren bleibt

Was aber haben The Who der Popwelt hinterlassen? Ben Marshall hat da seine ganz eigene Theorie. Zum einen, sagt er, haben The Who den modernen Popstar erfunden. Kein Schwiegermuttersohn, sondern ein Rebell, der das gutbürgerliche Publikum vor dem Fernseher schockiert. Vom Punkrock bis zum Hip-Hop – alle subversiven Popgenres bauen auf diesem Konzept auf.

Sie haben die Idee begründet, dass Rockbands vor allem streitlustig sein sollten. Darum haben die Punks sie auch so verehrt. – Ben Marshall

The Who waren aber auch eine der ersten Rockbands, die Pop als ernsthafte Kunstform gesehen haben. Die Rockopern „Tommy“ und „Quadrophenia“ sind dafür gute Beispiele. Aber eben auch das Spiel mit den kulturellen Identitäten oder das berühmte Zerschlagen von Gitarren auf der Bühne kann man als Kunst bezeichnen.

Ben MarshallThe Who haben diese ausgeprägte künstlerische Ader in die Popmusik eingebracht. Die Idee, dass Rock'n'Roll auch Kunst sein kann und muss. Verbindet man Konfrontation und Kunst, dann hat man The Who.Ben Marshall, MusikjournalistFoto: Prestel Verlag 

Popmusik kann nicht authentisch sein. Alles was ein Popstar tut, ist letztendlich Performance. Das haben sich The Who wie keine andere Band ihrer Zeit zunutze gemacht. Ihre Kunst war subversiv und politisch, dabei hatten sie keine Berührungsängste mit großen Ideen. Genau darum klingt „My Generation“ heute noch so neu und unverbraucht wie 1965.

Podcast: Das The-Who-Spezial kompakt

Redaktion: Vincent Raßfeld


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