Adventskalender Türchen 6: Martin Kohlstedt

Im Dialog mit dem Klavier

06.12.2015

Bei seinen Konzerten greift der Pianist und Produzent Martin Kohlstedt gern auch mal auf einen Haufen Synthesizer und Sampler zurück. Sein Herz schlägt aber für Klaviere und Flügel. Dabei gilt für ihn: Je älter die sind, desto interessanter wird es.

Vollkommen versunken in die Musik: Martin Kohlstedt im detektor.fm-Studio. Foto: detektor.fm

Nacht Reworks - Martin Kohlstedt

Martin Kohlstedt

Nacht Reworks

(Edition Kohlstedt, bereits erschienen)

Kaum ein Pianist hat in den letzten Jahren in der deutschen Popmusik solche Wellen geschlagen wie Martin Kohlstedt. Die Kompositionen des Thüringers sind minimalistisch, emotional und intim. Mit viel Gespür für Pop-Melodien und einem Hang zum Experimentieren schafft Martin Kohlstedt seinen eigenen Sound zwischen Filmsoundtrack und klassischem Solopiano.

Auf der Bühne weitet Kohlstedt seine Kompositionen beliebig aus, kombiniert sie neu und benutzt auch mal E-Piano und Synthesizer. Weil er seine Musik intuitiv schreibt und er schon beim Komponieren Raum lässt, entstehen seine Lieder bei jedem Konzert neu. Das ist für ihn aufregend – und für das Publikum hoffentlich auch.

Ich nenne das „Module“. Ich spiele Sachen gern im Kreis, also als Loop und wandle das dann immer wieder ab, bis zwei Parts entstehen. Die schrauben sich live auch immer wieder anders zusammen, damit es sich weiterentwickeln kann und für mich live immer attraktiv bleibt.

Charakterklavier statt Hochglanzsynthie

Martin Kohlstedt sieht das Musikmachen als einen Dialog. Mit dem Publikum, mit sich selbst und – nicht zuletzt – auch mit dem Instrument, auf dem er spielt. Alten Klavieren kann er darum viel abgewinnen, denn die haben Charakter und der Dialog lohnt sich.

Dort herrscht einfach 200 oder 300 Jahre Forschung. Ich weiß nicht, wie lange es schon Instrumente gibt, aber man spürt einfach, dass man nicht der erste ist, der da dransitzt. Das ist halt diese Geschichte und jedes Klavier hat sein eigenes Lebewesen, während man den ganzen Kram, den ich heute mitgebracht habe, in irgendwelchen Fabriken zusammenschrauben kann.

Heute verbirgt sich im akustischen Adventskalender Martin Kohlstedt mit einer elektronischen Version von „HAR“. Live eingespielt im detektor.fm-Studio.

Im Dezember 2014 war Martin Kohlstedt zu Gast bei uns im detektor.fm-Studio. Die komplette Session zum Nachhören inkl. Interview gibt’s hier.


Redaktion: Vincent Raßfeld