Album der Woche: Austra – Olympia

17.06.2013

Vor knapp drei Jahren haben Austra mit ihrem Debütalbum „Feel It Break“ die Musikwelt überrascht. Opernhafter Gesang eingebettet in düstere Electro-Sounds – das hat sich damals sofort in den Gehörgängen festgesetzt. Nun ist ihr zweites Album „Olympia“ erschienen. Wir verraten, wie sich der Sound der Band verändert hat und ob die Platte an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen kann.

Austra kombinieren auch auf “Olympia” wieder opernhaften Gesang mit düsteren Electro-Sounds (Foto: Norman Wong)

Austra - Olympia

Olympia

Austra

(Domino Records, bereits erschienen)

Es ist bewundernswert, was für ein Arbeitspensum Austra an den Tag legen. Drei Jahre ist die kanadische Band fast ununterbrochen auf Tour gewesen. Andere Künstler brauchen dann erst mal ein Jahr Pause, um wieder genügend Energie zu sammeln. Ganz anders scheint das bei Austras Sängerin Katie Stelmanis zu sein. Sie hat nur eine kurze Zeit in vollkommener Isolation benötigt, um ihre Gedanken zu sammeln und um wieder kreativ arbeiten zu können.

Nachdem wir so lange herum getourt sind, habe ich erst einmal eine Zeit bei einem Freund in Seattle verbracht. Ich hatte nicht so viele Freunde dort und ich hatte auch kein Handy oder Internet in dem Appartment. So hatte ich genügend Zeit, mich in meinen Gedanken zu verlieren und mein Leben wieder langweilig werden zu lassen. Nach der langen Tour war das die einzige Möglichkeit, um danach wieder kreativ arbeiten zu können.

Schon mit den ersten Takten auf Olympia beseitigen Austra fast sämtliche Zweifel. Die Band klingt auf ihrem zweiten Album weder ausgebrannt, noch hat sie im vollen Übereifer ihren musikalischen Faden verloren. Vielmehr zeigt sich, dass Austra in ihrer musikalischen Entwicklung keinesfalls stehen geblieben sind. Wie Zahnräder greifen die verschiedenen Elemente ineinander: seien es Backgroundgesang, Percussion oder Synthies.

Irgendwo zwischen Kanada und Skandinavien

Stilistisch entfernen sich Austra auf Olympia von ihrer kanadischen Heimat. Das komplette Album wird von einer düsteren und ernsten Melancholie bestimmt – eine Melancholie, die man sonst eher aus Skandinavien von Künstlern wie Lykke Li oder The Knife kennt. Vor allem die beeindruckende opernhafte Stimme von Katie Stelmanis erzeugt diese Grundatmosphäre: In teilweise kürzester Zeit springt diese aus beschwörenden Tiefen in engelsgleiche Höhen.

Und auch die Texte lassen Olympia emotionaler und ergreifender wirken. Anders noch als auf Feel It Break enthüllt Katie Stelmanis auf dem neuen Album einen Teil ihrer Seele.

Ich möchte nicht mehr Musik einfach nur für mich selber machen. Ich möchte mit anderen Menschen kommunizieren und dass sich die Menschen mit meiner Musik identifizieren können. Und nach der langen Zeit voller Proben und Auftritte hatte ich das erste mal das Verlangen, Songs über richtige Themen aus meinem Leben zu schreiben und nicht mehr über abstrakte Dinge, wie ich es zuvor getan habe.

Es ist aber nicht nur allein Frontfrau Katie Stelmanis zu verdanken, dass Austra mit Olympia einen weiteren Schritt nach vorne machen. Ihre fünf Bandkollegen haben allesamt am Album mitgearbeitet und die Instrumente live im Studio eingespielt. Wie genau diese Zusammenarbeit ausgesehen hat, erklärt Stelmanis am Beispiel des Songs Hurt Me Now:

Ich hab den Songs zunächst alleine geschrieben und ihn eigentlich schon sehr gut gefunden. Dann hab ich ihn Maya (Austras Schlagzeugerin, Anm. d. Red.) gegeben, die den Songs komplett neu arrangiert und das Tempo halbiert hat. Dadurch klingt er nun völlig anders und ist sogar mein Lieblingssong auf „Olympia“ geworden.

Die Balance zwischen Licht und Dunkelheit

Auf Olympia fehlt es manchmal an Überraschungsmomenten und Brüchen, wie sie noch auf Feel It Break zu finden waren. Dadurch werden viele Stücke für die Masse zwar einfacher zugänglich, die Spannung auf dem Album leidet jedoch erheblich darunter. Home dient dabei noch als besseres Beispiel. Das Stück kündigt sich zunächst als Klavierballade an, entwickelt sich zum Ende hin aber zu einem elektronischen Tanz-Song.

Trotzdem lebt Olympia vor allem von seinen Kontrasten: Dem Kontrast zwischen traurigen Texten und poppiger Tanzmusik. Zwischen Melancholie und 80er-Jahre-Synthiepop. Und zwischen Licht und Dunkelheit. Gerade deswegen wird Olympia auch beim mehrmaligen Hören nicht langweilig und gerade deswegen verdienen Austra zu Recht ihre musikalische Anerkennung.