Album der Woche: Band Of Horses – Why Are You Ok

Work-Life-Balance

13.06.2016

Ihre atmosphärischen Songs haben Band Of Horses Millionen Fans und eine Grammy-Nominierung beschert. Der Erfolg überrascht Sänger Ben Bridwell immer noch, denn er konnte nicht mal richtig Gitarre spielen. Das hat ihn nicht davon abgehalten, das fünfte Band Of Horses-Album "Why Are You Ok" aufzunehmen.

Rockstar und Familienvater Ben Bridwell mit seiner Band Of Horses. Foto: Andrew Stuart

Band Of Horses - Why Are You Ok

Why Are You Ok

Band Of Horses

(Caroline, bereits erschienen)

Nein, auch nach über zehn Jahren mit Band Of Horses sei er ganz ehrlich immer noch kein besonders guter Gitarrist, gibt Ben Bridwell lachend zu. Der 38-Jährige trägt einen struppigen Vollbart und Trucker-Cap, Arme und Hals sind mit Tätowierungen bedeckt. Ein Freund hat ihm vor Jahren ein bisschen Gitarre spielen beigebracht. Dieses Mal hat er sich Keyboards vorgenommen.

Damals habe ich meine Finger einfach so auf das Griffbrett gelegt, wie es für mich angenehm war und dann hab ich die Saiten so verstimmt, dass ein Akkord daraus wurde. Inzwischen habe ich dazugelernt, wollte aber wieder zur Neugier von damals zurück. Zuhause habe ich jede Menge Keyboards, auf denen kann ich zwar nicht besonders gut spielen, finde aber immer irgendwie zu einer Melodie. Für die neue Platte kamen also viele Gadgets zum Einsatz – und mein schlechtes Gitarrenspiel.

Keine ruhige Minute

Zum Songschreiben hat sich Ben Bridwell dieses Mal nicht in eine einsame Hütte im Wald zurückgezogen, er ist daheim bei seiner Familie geblieben. Mit einem Studio im eigenen Keller war das einerseits sehr bequem, hat dafür ganz andere Herausforderungen mit sich gebracht, sagt er.

Ich musste immer auf einen ruhigen Moment warten. Wir haben vier Töchter, da kann es ziemlich hektisch zu Hause werden. Also hab ich immer dann geschrieben, wenn sie in der Schule waren oder nachts, wenn alle geschlafen haben. Ich konnte nicht so viel rumdaddeln, aber wenn die Zeit begrenzt ist, kann das auch sehr motivierend sein.

Aufgenommen haben Band Of Horses die Songs in Kalifornien und New York. Sie sind gesurft und Ski gefahren. Und mit Produzent Jason Lytle, der sonst bei der Band Grandaddy spielt, haben sie einen kongenialen Partner gefunden. Auch bei Produzentenlegende Rick Rubin hat sich Ben Bridwell Rat geholt und das mit Erfolg. Why Are You Ok vereint alle guten Eigenschaften von Band of Horses: Es gibt die überschwänglichen Stadionrockmomente, die fußstampfenden Folkstücke mit Banjo und Harmoniegesang, die intimen Herzschmerzsongs. Und immer dabei: Bridwells hohe, eindringliche Stimme, die sehnsüchtig und verwundbar klingt.

Vor kurzem ist Bridwell mit seiner Frau und den vier Töchtern in ein neues Haus gezogen. Ehemann und Vater zu sein, sei natürlich fantastisch, sagt er. Aber er ist eben auch immer noch ein Rock’n’Roller.

Dieses bürgerliche Sesshaftwerden, daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Ich führe so ein seltsames Doppelleben. Auf der einen Seite touren wir um die Welt und machen Leute glücklich mit unserer Musik und das ist großartig. Zu Hause ist es komplett anders, da dreht sich alles um die Kinder und ich habe kaum Zeit für mich selbst. Aber es ist ein guter Ausgleich.

Mehr träumerische Momente

Textlich spiegelt sich Bridwells ambivalentes Verhältnis zum Sesshaft- und Erwachsenwerden wider, etwa wenn er von einer langweiligen Party mit faden Gesprächen singt. Seine Familie hatte großen Einfluss auf das Album, erzählt Bridwell. Auch der Titel Why Are You Ok ist vom Nachwuchs inspiriert.

Eine unserer Töchter hat mit dem Telefon meiner Frau herumgespielt, sie war damals drei und wir haben nicht so richtig aufgepasst. Sie hat unbeabsichtigt eine Email mit dem Satz „Why are you ok“ an die Lehrerin ihrer älteren Schwester geschickt. Ich fand das witzig und es hat auch etwas Geheimnisvolles, es geht leicht von der Zunge.

Im Gegenteil zum Vorgänger Mirage Rock hält Why Are You Ok wieder ein paar mehr dieser für die frühen Band of Horses typischen, träumerischen Momente bereit. Damit ist es ein wunderbares Album für den Sommer und der passende Soundtrack für jede Gartenparty oder Autofahrt in die Ferien. Und ob Ben Bridwell die Akkorde nun ganz normal oder irgendwie anders spielt, ist doch egal.