Album der Woche: Banks & Steelz – Anything But Words

Rap und Rock – geht doch!

29.08.2016

Ein Rapper und ein Rocksänger treffen sich in einer Bar: Paul Banks von Interpol und RZA vom Wu-Tang Clan. Ein paar Tequilas später beschließen sie, zusammen Musik zu machen. Unter dem Namen Banks & Steelz erscheint jetzt ihr erstes Album „Anything But Words“.

Mögen Tischtennis und Schach: Banks & Steelz. Foto: Atiba Jefferson

Banks & Steelz - Anything But Words

Anything But Words

Banks & Steelz

(Warner Bros. Records, bereits erschienen)

Tischtennis ist bekanntlich eine sehr beliebte Beschäftigung unter Musikern. Zur Entspannung werden vor und nach Konzerten gerne die Kellen ausgepackt. Auch Interpol-Frontmann Paul Banks ist ein passionierter Ping-Pong-Spieler. Im Schach dagegen hat er gegen Wu-Tang-Clan-Gründer RZA keine Chance. Trotzdem hat die Chemie zwischen den beiden Musikern gestimmt. Das beweist auch ihr erstes gemeinsames Album Anything But Words. HipHop und Rock kombiniert – dabei ist in der Vergangenheit oft ziemlicher Mist heraus gekommen. Aber von schlimmem Limp-Bizkit-Rap-Rock sind Banks & Steelz zum Glück meilenweit entfernt. Sie klingen so, als hätten sie noch nie etwas anderes gemacht. Für HipHop-Fan Paul Banks ist das nicht überraschend:

Ein Grund, warum die Musik so organisch klingt, ist, dass wir nichts erzwungen haben. Ich singe nur, wenn ich dazu inspiriert bin. Ich hab nicht gedacht: Mir fällt nichts ein, aber ich MUSS das jetzt machen. RZA schreibt tolle Songs mit der Gitarre. Das hat mich nicht überrascht. Ich war immer schon der Ansicht, dass man keine coolen HipHop-Tracks schreiben kann, wenn man nicht sehr musikalisch ist. Auch wenn man dafür ausschließlich Samples benutzt. RZA ist ein sehr talentierter Mensch.

RZA spielt Gitarre

RZA hat in den letzten Jahren Klavier und Gitarre spielen gelernt und sich auch mit Musiktheorie beschäftigt. Denn obwohl er mit dem Wu-Tang Clan extrem erfolgreich gewesen ist, hat man ihm vorgeworfen, dass er ja kein richtiger Musiker sei, wenn er nur Samples benutze und nicht selbst etwas komponieren könne. Das wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Dafür, dass er jetzt auch richtige Instrumente spielen kann, gab es allerdings Kritik aus der HipHop-Community.

Ein Freund von mir, Jerome Hadey, hat ein Haus in der Toskana, die Villa Lena. Dorthin lädt er Künstler ein: Maler, Schriftsteller, Musiker usw. Man wohnt dort für ein paar Wochen und teilt seine Kunst mit den anderen. Letztes Jahr war ich auch da und habe eines Abends ein Gitarrenkonzert gegeben, vor acht Leuten. Ich habe sechs oder sieben Songs gespielt. Ich bin sehr froh, dass ich jetzt Musik auch ohne Samples machen kann, dass ich ein Instrument spielen und Spaß damit haben kann.

Anything But Words ist ein ambitioniertes Projekt, das erstaunlich gut funktioniert. Groß angelegte Arrangements mit cineastischen Beats, von RZA in Höchstgeschwindigkeit vorgetragene Rap-Parts und eisige Pop-Refrains von Paul Banks ergeben eine unterhaltsame und unpeinliche Symbiose. Ergänzt wird diese durch eine illustere Gästeliste, die unter anderem Ghostface Killah und Florence Welch enthält.

Inspiriert von Gangsterfilmen

Das Artwork zeigt ein Messer und einen Schlagring. Dafür haben sich Banks und RZA von asiatischen Thrillern inspirieren lassen.

Ich mochte das Bild, RZA und ich als zwei Profi-Gangster, die man anheuern kann. Vielleicht, um eine Organisation zu unterwandern oder einen Politiker bestechen. Aber egal, um was für einen Job es sich handelt – wir machen das. Unser ganzes Artwork, die Videos und das stilistische Konzept bauen auf dieser Idee auf.

Das Rad haben Banks & Steelz auf Anything But Words nicht neu erfunden. Aber sie zeigen sich von ihrer jeweils besten Seite und beweisen, dass Rock und Rap doch zusammengehen.