Album der Woche | Das Paradies – Goldene Zukunft

Ein interessantes Spiel

27.08.2018

Der Künstlername Das Paradies klingt ein wenig nach Größenwahn. Dahinter steckt der Leipziger Florian Sievers, der nicht den Eindruck macht, als hätte er den Boden unter den Füßen verloren. Mit seinem Debütalbum "Goldene Zukunft" ist er dabei, sich als neuer Hoffnungsträger des Deutschpop zu etablieren.

Das Paradies - Goldene Zukunft

Goldene Zukunft

Das Paradies

(Grönland, bereits erschienen)

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Das Album der Woche wird präsentiert von Dockin. Promo-Code: detektor10


Wenn man ihn mitten in der Nacht wecken würde, könnte er den alten Grönemeyer-Hit Bochum sofort fehlerfrei nachsingen, sagt Florian Sievers alias Das Paradies. Denn im Sievertschen Haushalt gab es keine Tonträger, dafür hat das Radio zuverlässig die größten Hits der 80er und 90er gedudelt. Unter anderem eben auch Bochum, Männer oder Flugzeuge im Bauch. Vermutlich hat ihn das Grönemeyer-Label Grönland Records aber nicht deshalb unter Vertrag genommen, sondern wegen seiner wunderbaren Indiepop-Songs.

Ungeplante Songperlen

Die sollte es eigentlich gar nicht geben, denn Sievers hatte gar nicht geplant, die Songsskizzen mit den deutschen Texten zu veröffentlichen. Es war zunächst nur ein interessantes Spiel, mit dem er sich ein bisschen die Zeit vertreiben wollte, während seine Band Talking To Turtles pausierte. Aber das Schreiben und Singen ging dann doch so gut, dass fertige Songs daraus wurden. Die gibt es nun auf dem Debütalbum Goldene Zukunft zu hören.

Die Songs auf Goldene Zukunft bringen den Hörer auf angenehm unangestrengte Weise zum Nachdenken, denn Sievers trifft genau die richtige Stelle zwischen intellektuell-verkopft und leicht-eingängig. Die Texte haben kurvige Ecken und seidene Kanten, klingen gleichzeitig wolkig und greifbar. Vorgetragen werden sie mit einer Attitüde aus Melancholie und Gleichgültigkeit. Es geht zum Beispiel um das Tabakrauchen, lange Autofahrten und eine clevere Kioskbesitzerin. Dazu gibt es locker-flockige Bassläufe und angezerrte Gitarren. „Zen-Pop“ nennt Sievers sein neues Genre, ein Plädoyer für Entspannung und Geduld.

Zen-Pop mit DDR-Synthie

Auch ein altes Yamaha-Keyboard und einen Synthesizer aus DDR-Zeiten gibt es in den Songs zu hören. Der Synthie ist eine Dauerleihgabe eines Freundes von Sievers Eltern. Schon hinter dem eisernen Vorhang wurden darauf verbotene Songs aus dem imperialistischen Ausland gespielt. Vielleicht auch die eines Herbert Grönemeyer. Jetzt jedenfalls ist auch er Teil der Goldenen Zukunft.