Album der Woche: Destroyer – ken

Ein leichtes Unbehagen

23.10.2017

15 Jahre und neun Alben hat es gedauert, bis die Musik von Dan Bejar alias Destroyer von einem größeren Publikum wahrgenommen wurde. 2011 ist er mit "Kaputt" überraschend zum Indie-Star avanciert. Mit "Ken" verabschiedet er sich vom opulenten Sound des Vorgängers und setzt lieber auf die kühlen, grauen 80er.

Destroyer - ken

ken

Destroyer

(Dead Oceans, bereits erschienen)

England in den 80ern: Gewerkschaftskampf, New Wave Musik und Margaret Thatcher. Dan Bejar alias Destroyer war in dieser Zeit Teenager und hat begonnen, sich ernsthaft für Musik zu interessieren. Bejar kommt zwar aus Kanada, trotzdem standen englische Bands weit vorn in seinem Plattenregal. Und als die Songs für das neue Destroyer-Album ken entstanden sind, hätte er wieder viel über diese Zeit nachgedacht, sagt er.

Kein Album wie das andere

Seit 1996 veröffentlicht Bejar als Destroyer in regelmäßigen Abständen Alben, von denen keines wie das andere klingt. So ist auch ken eine Abkehr vom ausladenden Sound des Vorgängers Poison Season. Keine opulenten Streicherarrangements mehr, kein großes Band-Get-Together, auf ken dominieren kalte, elektronische Klänge: Synthies, Drumcomputer, ein New Order-Bass, ein trauriges Saxophon.

Geschrieben hat Bejar viele der neuen Songs, als er im Herbst 2016 alleine durch die USA gefahren ist. Im Hotelzimmer hat er Demos aufgenommen, die er abends vor Publikum präsentiert hat. Später hat er sich mit seinem Drummer Josh Wells zusammengetan und den Songs ein dunkelgrau glänzendes Gewand verpasst. Inspiriert haben sie dabei die Melodien von The Cure.

Eine urinierende Braut

Dan Bejar ist kein Songwriter, der Geschichten erzählt oder Einblicke in sein Seelenleben gewährt. Mit seinen Texten baut er vielmehr eine bestimmte Atmosphäre auf, spielt mit Sprache und Referenzen. Er kreiert Bilder, die gleichzeitig vertraut und verstörend sind. Auf ken gibt es zum Beispiel eine urinierende Braut, einen blonden Che Guevara und einen Satin-tragenden Verrückten.

Mit Protestsongs aus der Thatcher-Ära haben die Stücke auf ken nicht viel gemein, auch wenn sie von dieser Zeit inspiriert sind. Beim Hören entsteht eher das unterschwellig bedrohliche Gefühl, dass sich die Welt langsam aber sich auf einen Abgrund zubewegt. Dieses leichte Unbehagen ist aber nicht unangenehm, im Gegenteil. Man möchte sofort noch einmal in die seltsame Welt des Dan Bejar eintauchen.