Album der Woche: Die Nerven – Fake

Finde niemals zu dir selbst

23.04.2018

Die Nerven wurden schon als die am miesesten gelaunte Rockband des Landes bezeichnet. Denn ihre Musik ist wie eine geballte Faust – Hauptsache dagegen. Mit dem neuen Album "Fake" stellt sich nun zwar keine Altersmilde ein, aber das Stuttgarter Trio steht erstmals zu seiner Liebe zur Popmusik.

Die Nerven - Fake

Fake

Die Nerven

(Glitterhouse, bereits erschienen)

Er habe vor Jahren mal einen Wikipedia-Artikel geändert und ziemlichen Quatsch reingeschrieben, sagt Die Nerven-Sänger Max Rieger. Monate später stand die falsche Information immer noch dort. Seit einiger Zeit gibt es dafür den unsäglichen Begriff „alternative Fakten“. Dieses beunruhigende Gefühl, dass es keine objektive Wahrheit mehr zu geben scheint, bestimmt Fake – das neue Album der Stuttgarter Band.

Ans Aufgeben gedacht

Dass es überhaupt ein neues Nerven-Album geben würde, war gar nicht so selbstverständlich. Die drei Mitglieder leben mittlerweile in verschiedenen Städten, sich einfach mal im Proberaum treffen und herumjammen ging nicht mehr. Dazu kamen noch diverse Nebenprojekte, die zwar kreativen Input lieferten, aber eben auch Zeit wegnahmen. Weiter verkompliziert wurde das Vorhaben von ihrem eigenen Anspruch, vor den eigentlichen Aufnahmen Songstrukturen und Arrangements schon fertig zu haben. Bei den Vorgängeralben hatten sie sich über solche Dinge kaum Gedanken gemacht. All das hat der Band nach eigenen Angaben so viel abverlangt, dass sie zwischendurch ans Aufgeben dachten.

Entstanden sind die Songs über zwei Jahre bei Soundchecks, Sessions und auf der Theaterbühne. Dort haben sie die Musik für die Aufführung des Buchs Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 beigesteuert. Im Herbst 2017 waren sie dann zwei Wochen in der Toskana und haben die Songs mit ihrem Produzenten Ralv Milberg aufgenommen.

Lärm und Pop

Die neuen Songs sind melodischer und zugänglicher, als man das von Die Nerven kennt. Statt die Texte zu schreien oder zu sprechen, wird auf Fake mehr gesungen. Neben geradezu poppigen Stücken kommt der Lärm aber nicht zu kurz und stürmt dann fast schon überraschend auf den Hörer ein. Und auch wenn sie nicht mehr nur mit geballter Faust daherkommen, unzufrieden bzw. genervt sind Die Nerven natürlich immer noch. Unter anderem vom Selbstverwirklichungswahn und „Musik, Mode und Meinung für Millionen“.

Laut vs. leise, Pop vs. Lärm – der abwechslungsreichere Sound und die ausgefeiltere Produktion auf Fake steht den Nerven gut. Und das ist nichts als die reine, objektive Wahrheit.