Album der Woche: Dirty Projectors – Lamp Lit Prose

Das Yang-Album

16.07.2018

Nur ein Jahr nach dem letzten Dirty Projectors-Album legt die Band von Dave Longstreth schon nach. Wie weggeblasen ist die Bitterkeit und Traurigkeit des Vorgängers, „Lamp Lit Prose“ verbreitet Sonnenschein und gute Laune. Und der verspulte Avantgarde-Indiepop der Band klingt ungewohnt zugänglich.

Verbreiten Optimismus: Dirty Projectors.
Foto: Jason Frank Rothenberg

Dirty Projectors - Lamp Lit Prose

Lamp Lit Prose

Dirty Projectors

(Domino Records, bereits erschienen)

Lamp Lit Prose verhält sich zum letzten, selbstbetitelten Dirty Projectors-Album wie Yin zu Yang, heißt es in der Ankündigung. Richtiger wäre es allerdings umgekehrt, denn Yang ist der weiße Teil, der für Helligkeit und Aktivität steht. Und hell und aktiv sind auch die neuen Songs der Band um Sänger und Songwriter Dave Longstreth. Und damit eben genau das Gegenteil von den bitteren Break Up-Songs des Vorgängers. Hat Longstreth darauf die Trennung von seiner langjährigen Partnerin und Bandkollegin Amber Coffman verarbeitet, scheint er auf Lamp Lit Prose wieder Hals über Kopf verliebt zu sein. Er singt davon, dass die Sterne genau in der richtigen Konstellation stehen oder dass die Stille in seinem Herzen durch eine ganze Band ersetzt wurde – hach, wie schön!

Simpel aber nicht einfach

Die Gitarren haben wieder Einzug gehalten in die Songs von Dirty Projectors, genau wie mehrstimmiger Gesang und überraschend simple Melodien. Das bedeutet aber nicht, dass die Musik einfach ist. Longstreth hat seine Songs mit komplexen Arrangements ausgestattet, inklusive Tonartwechsel und vielen überraschenden Sprüngen, dass sie mitunter wie im Rausch zusammengepuzzelt wirken. Zu fluffigen Gitarrenlicks gesellen sich E-Piano, Flöten, Trompeten, gesampelte Vocals und ein blechernes Schlagzeug. Zur Unterstützung hat er sich außerdem einige illustere Gäste eingeladen wie die Soulsängerin Syd, Robin Pecknold von Fleet Foxes und die Haim-Schwestern.

Die neuen Songs kratzen mitunter fast schon am Pop-Mainstream, aber nur fast. Die gute Laune ist jedenfalls ansteckend und drückt sich auch im Albumcover aus: ungebleichtes Leinen, ein Durcheinander aus Blättern und Blüten. Das klassische rot-blaue Dirty Projectors-Logo besteht hier aus zwei handgemachten, in taoistischer Harmonie ineinander verschlungenen Glasskulpturen. Neben all der Verliebtheit geht die derzeitige politische Situation aber nicht spurlos an Dave Longstreth vorbei und er thematisiert sie zum Beispiel in dem Song That´s a Lifestyle: „The monster eats its young, until they‘re gone“.

Ansteckender Optimismus

Lamp Lit Prose ist eine Rückkehr zur alten Form, aber auch eine Weiterentwicklung für Dirty Projectors bzw. Dave Longstreth. Denn er schreibt, arrangiert und mischt die Musik komplett selbst. Sein Optimismus ist ansteckend. Und bei aller Hinwendung zum Pop, ein bisschen anstrengend ist die Musik nach einer Weile schon. Aber langweilig wird sie so schnell jedenfalls nicht.