Album der Woche: Electric Guest – Mondo

21.05.2012

Brian Burton alias Danger Mouse ist so eine Art Quincy Jones des 21.Jahrhunderts. Alles was der Mann anfasst, wird zu Gold. Jedoch schmückt er sich nicht nur mit großen Namen. Auch unbekannte Musiker unterstützt er, so geschehen bei dem in Los Angeles beheimateten Duo Electric Guest.

Die aufgeräumte und elektronische Version von 60s Garagenpop - Electric Guest (Foto: Noah Abrams)

Manchmal ist es gut, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt. Oder noch besser: wenn der eigene Bruder jemanden kennt. Asa Taccones Bruder kannte Brian Burton alias Danger Mouse. Taccone hatte schon früh angefangen, verschiedene Instrumente zu spielen und eigene Stücke zu schreiben.

Eines dieser Stücke spielte sein Bruder Brian Burton am Telefon vor. Dem gefiel, was er hörte und so schickte ihm Taccone immer mal wieder seine Musik, bis sie schließlich entschieden, ein Album daraus zu machen. In der Zwischenzeit hatte sich der junge Musiker mit Matthew Compton zusammengeschlossen, ebenfalls ein Multi-Instrumentalist und Songwriter – die Band Electric Guest war komplett.

Zusammen gingen sie das angesammelte Material durch, mehr als 100 Songs waren über die Jahre zusammengekommen. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen. Über fünf Jahre haben Electric Guest gebraucht, bis sie ihr Debütalbum Mondo veröffentlichen konnten. Die Zeit haben Asa Taccone und Matthew Compton genutzt, um mit tatkräftiger Unterstützung von Brian Burton an ihren Stücken zu feilen und ihren Stil zu entwickeln. Diesen könnte man als eine aufgeräumte und elektronische Version von 60s Garagenpop mit Hang zu New Wave beschreiben.

Electric Guest vermixen und verwursten ihre diversen Einflüsse zu beschwingten, mitreißenden Popnummern und wehmütigen Balladen. Das Stück Troubleman ist ein melancholischer Roadtrip entlang der kalifornischen Küste. Und es war der erste Electric Guest Song, der im Radio gespielt wurde.

Das waren ursprünglich mal drei Songs, aus denen dann einer geworden ist. Und er wurde als erster im Radio gespielt, obwohl er fast 10 Minuten lang ist! Wir fanden es supercool und waren überrascht, wir hätten nie damit gerechnet, dass er im Radio läuft.

Als wir vor einiger Zeit von einem Konzert nach Hause gefahren sind, hat uns meine Mutter mitgenommen. Sie hatte die Texte des gesamten Albums ausgedruckt dabei und wollte, dass ich ihr jeden Satz erkläre. Und für Troubleman war ihre Interpretation viel besser, als meine eigene. Ich finde es interessant zu lesen, wie andere Leute meine Texte interpretieren.

Die Interpretationsansätze sind vielfältig, doch Mondo ist alles andere als ein verkopftes Album. Songs wie This Head I hold und Waves sind Tanzbodenkracher im Retro-Soulgewand mit Handklatschern. Man hört es dem fertigen Song nicht mehr an, aber Waves haben Electric Guest im Keller ihres Wohnhauses aufgenommen.

Das ist noch so ein super DIY-Song. Es war einer der ersten, den wir aufgenommen haben und Matthew hat das Schlagzeug im Keller unseres Wohnhauses eingespielt. Ich hab es mit einer billigen 2-Spur-Maschine aufgenommen. Nur ein Mikro, ein Take und das war’s. Eigentlich haben wir den ganzen Song so aufgenommen und haben nichts neu eingespielt. Deswegen klingt er auch so schlecht.

Die Produktion von Mondo trägt eindeutig Burtons Stempel. Motown Drumloops, analog klingende Keyboards und Retro-Bassläufe, all das hat man bei dem ein oder anderen seiner Projekte so ähnlich schon mal gehört. Künftige Electric Guest-Platten werden zeigen, wie groß der Anteil Burtons tatsächlich gewesen ist. Spaß macht Electric Guests Musik in jedem Fall, schnell ertappt man sich beim Mitzappeln und Kopfnicken. Und das soll uns für den Moment erst mal reichen.