Album der Woche: Gold Panda – Half Of Where You Live

10.06.2013

Vor drei Jahren hat Gold Panda mit seinem Debütalbum „Lucky Shiner“ für ordentlich Aufsehen in der Elektronik-Szene gesorgt. Seitdem ist er weltweit viel als Live-Act unterwegs gewesen und hat parallel an seinem neuen Album gearbeitet. Am Freitag erscheint „Half Of Where You Live“ - eine Sammlung akustischer Reise-Souvenirs.

Gold Panda - Half Of Where You Live

Half Of Where You Live

Gold Panda

(Ghostly International, bereits erschienen)

Wozu Instrumente, wenn einem die ganze musikalische Breite in Form alter Schallplatten zur Verfügung steht. Ungefähr so muss man sich Gold Pandas Motto vorstellen, wenn er beschließt ein Stück Musik zu schreiben. Ausgestattet mit kaum mehr als einem Sampler wühlt er sich durch die skurrilsten Veröffentlichungen aus allen Jahrzehnten und prägt damit seinen völlig eigenen Stil. Auf seinem zweiten Album Half Of Where You Live perfektioniert Gold Panda diesen Ansatz aufs Neue.

Theoretisch ist es das alte Spiel. Ein Künstler bekommt nach einem erfolgreichen Debüt die Gelegenheit, die Welt zu sehen und macht seine Erlebnisse direkt zum Themenschwerpunkt des Nachfolgers. Doch etwas ist hier anders. Gold Panda nutzt Original-Klänge der jeweiligen Orte als Ausgangsmaterial und versetzt sie in einen überaus künstlerischen Kontext. Egal ob asiatische Metallophone oder Umgebungsgeräusche aus Australien. Aus all diesen Vorlagen schafft es Derwin Powers alias Gold Panda, melancholische Tiefe zu kreieren ohne sich in Hoffnungslosigkeit zu verlieren.

Die Hintergründe im Blick

Diese besondere Stimmung in Gold Pandas neuen Stücken ist sicherlich seiner vielseitigen Betrachtung der Orte geschuldet. Es sind verschiedene Umstände an all den Orten, die ihn bewegen. So sind manche Titel teilweise aus einem kritischen Blickwinkel entstanden, wie das in Electronica gefärbte My Father in Hong Kong 1961.

Half Of Where You Live macht spürbar, dass aus dem Hobbyproduzenten von früher, der tagsüber im Sex-Shop jobbte, ein waschechter Profi geworden ist. Einer, der etwas zu sagen hat. Dabei verlässt er jedoch nie seine Wurzeln, sondern erweitert und verfeinert seine Fähigkeiten. Wie schon auf seinem Debütalbum „Lucky Shiner“ von 2010 klingen hier alle Soundschnipsel überdeutlich roh und unterstreichen damit einmal mehr den Referenzgedanken an die Herkunft. Der Einsatz der Samples ist dagegen im höchsten Maße kreativ. Hier fügen sich verschiedene Quellen in mehreren Schichten zu großen Teppichen.

Vielfalt statt Schublade

Stilistisch schaut die Platte in verschiedene Bereiche. Einige Stücke besitzen einen klaren Four-To-The-Floor-Charakter und schwören auf die Unterstützung allseits beliebter Drumcomputer. Doch genauso kann es dem Hörer passieren, dass plötzlich ein IDM-Stück an einem vorbeirauscht, wie das verträumte The Most Liveable Place. Es ist also weniger ein bestimmtes Genre, als vielmehr diese einzigartige Atmosphäre die in allen Titeln steckt.

Gold Panda hat keine Scheu davor, sich den Erwartungen seiner Fans zu entziehen. Auf Half Of Where You Live hat sich Powers in seinem Handwerk weiter spezialisiert und komplexeren Ideen Raum geschaffen. Seine Musik besitzt nun mehr Tiefgang denn je. Simple Hooks werden dieses Mal bewusst beiseitegelassen und weichen einem runden Konzept. Das Ergebnis ist ein rundum gelungener Einblick in Gold Pandas akustische Souvenirs der letzten Jahre.