Album der Woche: Grizzly Bear – Shields

17.09.2012

Spätestens seit ihrem letzten, sehr erfolgreichen Album "Veckatimest" gilt die Band Grizzly Bear als Aushängeschild des sogenannten „New Weird America“. Mit "Shields" haben die vier New Yorker jetzt nachgelegt und zementieren damit ihren Status als Meister des Schwurbelpop.

Meister des Schwurbelpop - Grizzly Bear (Foto: Barbara Anastacio)

In einer ambitionierten und auch noch erfolgreichen Band zu spielen kann schon ein wenig anstrengend sein. Diese Erfahrung haben die Jungs von Grizzly Bear in den vergangenen Jahren machen müssen. Von Kritikern bejubelte Platten, euphorische Fans bei den Konzerten und dann auch noch eine Top Ten Platzierung in den Billboard Charts. Wer würde da nicht Gefahr laufen, ein bisschen den Boden unter den Füßen zu verlieren? Um dem entgegenzusteuern, haben sich die vier Musiker nach ihrem letzen Album Veckatimest mal eine Auszeit gegönnt. Womit sie sich währenddessen die Zeit vertrieben haben, weiß Gitarrist Daniel Rossen.

Ed hat geheiratet und ist viel rumgereist, Chris Taylor hat seine eigenen Platte gemacht, er hat einfach weitergearbeitet und ist auch gereist. Chris Bear ist nach Long Island gezogen und ich hab einige Zeit in upstate New York verbracht und eine EP aufgenommen. Als wir uns wieder getroffen haben, mussten wir uns erstmal aneinander gewöhnen und schauen wo die anderen musikalisch stehen, um wieder auf eine Wellenlänge zu kommen.

Für Grizzly Bear war dafür die Stadt Marfa in Texas genau richtig. Sie übernachteten in einer alten Armeebaracke ohne Klimaanlage und hatten genug Zeit in der Sonne zu braten und sich über neue Ideen auszutauschen.

Es war mitten im Sommer mit Rekordtrockenheit und Flächenbränden. Wir kamen in diese Stadt und die Erde war total schwarz, es war wie auf den Mars zu kommen. Wir haben in so einer Armeebaracke übernachtet, die aus Lehmwänden gebaut war und keine Klimaanlage hatte. Bis sechs Uhr Abends konntest du praktisch nichts machen, weil es zu heiß war. Wr haben den ganzen Tag in der Sonne gelegen und das Gefühl gehabt, ein bisschen durchzudrehen.


Aufgenommen haben sie Shields letztlich wieder in Cape Cod, wo auch sein Vorgänger entstanden ist. Daniel Rossen und Sänger Ed Droste haben sich erstmals auf das Abenteuer gemeinsames Songschreiben eingelassen. Sie haben die Ideen des anderen reflektiert und weiterentwickelt. So ist beispielsweise das Stück Sun in your eyes entstanden.

Der letzte Song ist so entstanden, Ed saß am Klavier und hat eine einfache Melodie gespielt und einige Noten dazu gesungen. Ich habe ihm zugehört und mir darüber Gedanken gemacht und es ein bisschen abgewandelt. Chris Bear hat dann ein paar Akkorde vorgeschlagen, die ich auf meinem Telefon aufgenommen hab und etwas später verarbeitet hab. Sich gegenseitig zuhören und die Ideen der anderen reflektieren, das war sehr erfrischend.

Das Ergebnis ist weniger Beach Boys Referenz als noch auf Veckatimest aber immernoch schönster versponnener Neopsychedelic-Pop. Schlagzeug, echoende Gitarren, Synthesizer, Streicher und sphärischer Harmoniegesang liegen Schicht um Schicht übereinander. Grizzly Bear sind immernoch Meister der opulenten und ausgetüftelten Arrangements. Ed Drostes Gesang ist weniger verwaschen und erinnert in seiner leicht jammerigen Eindringlichkeit mitunter an Thom Yorke.Auf die Texte haben die Musiker mehr Wert gelegt, als das bislang der Fall war. Für Daniel Rossen waren die Arrangements und das Gefühl der Musik immer ein ebenso wichtiger Teil des Songs. Trotzdem sollten die Texte mehr sein, als eine zufällige Aneinanderreihung von Worten.

Die Arrangements und das Gefühl der Musik sind genau so ein Teil des Songs wie die Texte. So arbeiten wir und so will ich Musik machen. Aber wir waren in der Vergangenheit ein bisschen faul und auf der letzten Platte sind ein paar ziemlich dumme Texte, die eigentlich nur aus wahllose Worten bestanden. Das können wir besser. Also haben wir uns bei dieser Platte viel Zeit dafür genommen, über die Texte zu sprechen und Vorschläge zu machen. Wir wollten etwas Tolles machen, hinter dem wir stehen können.

Der Trip nach Texas und die Auseinandersetzung mit den Ideen der anderen haben sich für Grizzly Bear in jedem Fall gelohnt. Ihr komplexer aber dennoch leicht zugänglicher Experimentalpop ist auf Shields – trotz des Albumtitels – direkter und offener als zuvor. Diese neue Offenheit steht der Band sehr gut. Einen Grund sich zu verstecken, haben sie nun wirklich nicht.